#2403
Fred_Krug
Mitglied

Hey.

Ich habe endlich die Zeit gefunden, mir die Texte durchzulesen. Und ich stimme Euch beiden zu. Und das in jeder Hinsicht. Denn eine Extrapolation ist gar nicht so schwer.

Schauen wir uns „unsere“ kleine Gesellschaft an und vergleichen wir diese mit anderen Gesellschaften in der Welt, so werden wir in technologisierten Gesellschaften stets dieses finden:

– Handys, die alles können,
– nahezu jede Haushalt ist selbst unter ärmlichen Bedingungen mit umfangreichen HiFi-, DVD-und TV- sowie Computer-/ Konsolenlösungen hinsichtlich der Unterhaltung ausgestattet,
– zudem haben die meisten Haushalte alle denkbaren Helferlein wie umfangreiche Küchenausstattungen, Reinigungsgeräte, Telefonanlagen etc.,
– interessant ist der Umstand, dass vor allem Subkulturen in unseren Gesellschaften Szenegemeinschaften bilden, in denen technische oder unterhaltsame Kernkomponenten die tragenden Elemente sind (LAN Parties, Web 2.0 Netzwerke, Sport, Amaetheurtheater und –musik, Rollenspieler, Tatoo-Szene etc. pp.),
– beliebige Ergänzungen möglich.

Dies finden wir in D-Land, USA-Land, Japan-Land sowie den entwickelteren Gebieten in Fern- wie Nahost, auf der Südhalbkugel. Gemein ist allen, dass die Technokratisierung der Gesellschaft zunimmt, die Lebensqualität dafür aber auf Kosten der Gesundheit und der Sportlichkeiten eher einbricht. „Jammern auf hohem Niveau.“

Gute Beispiele für die „Komfortisierung“ der Körper und Fähigkeiten sind zum Beispiel:
– Obst- und Gemüse schälen,
– Abwaschen (Maß, Umfang, Strategie),
– Karten Lesen, Lesen überhaupt,
– Einschränkung der Sehfähigkeiten,
– körperliche Reaktionsfähigkeiten,
– körperliche Widerstandskräfte und Sportlichkeit,
– uvm.

Dies lässt sich ohne weiteres auf RiftRoamers übertragen. Und tatsächlich verstehe ich Deine Ausführungen, Herb, auch genau so. Die Eigenständigkeit und – von mir aus überspitzt formuliert – Überlebensfähigkeit der absolut großen Masse wird gegen zahlreiche Komforts der unterschiedlichsten Technologien eingetauscht.

Wenn ich nur versuche, dies auf RR zu extrapolieren, kann man das natürlich in Extreme ausdehnen; vgl. etwa den Trickfilm Wall-E.

Diese Vision wirft aber auch neben aller Plausibilität teilweise erhebliche Probleme auf.

Zum Beispiel technische Vollversorgung und dystopische Elemente … Eine tendenziell düstere und vielleicht auch endzeitliche Gesellschaftsatmosphäre mit einem Hohen Niveau an Armut wird wahrscheinlich bedeuten, dass zwar gewisse Standards breit gefächert sind; aber auch diese wollen „verdient“ werden bzw. erweitert werden. Kriminalität, Versorgungsprobleme, technisch minderwertige Waren werden das Komfortniveau gewiss negativ beeinflussen.

Für die Supergesellschaften mit mehreren Hundert Millionen oder sogar Milliarden Einwohnern in Megaplexen (z.B. New Sydney) stellen sich auch die Fragen nach Ressourcen, Produktionsmöglichkeiten und wieder logistisch und marketing-technisch nach Versorgungsmöglichkeiten.

Nicht zu vergessen werden auch nicht wenige Menschen tatsächlich dem körperlichen Trieb der Bewegung ausgesetzt sein; und wie wirken sich solche Triebe auf den Wunsch, „tätig zu werden“ aus?

Wo, oder wer, oder was baut die Ressourcen ab und verarbeitet diese zu den verschiedenen Endprodukten? Wird alles auf extreme Hochspezialisierungen hinauslaufen? Oder werden wir wie im heutigen Alltag neben den Spezialisten auch breitgefächert zahlreiche zusätzliche „schwächer“ qualifizierte Menschen haben, die den Job vielleicht auch deshalb tun, weil es „was zu tun“ gibt?

Sehr schwierige Fragen – schwierig im Sinne von komplex …

Grüße
Fred