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    imported_mirc
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    Hello Guys

    Im Augenblick gleitet die alte Liddy mit knapp 400 Sachen auf den Pan Cluster Interchange auf Ceti Prime zu. Der Verkehr ist ziemlich dicht, aber da wir hier im CTA Bereich sind habe ich etwas Zeit Euch von der letzten Tour zu berichten…

    Ich befand mich letzten Sonntag auf dem Werksgelände von Salamanca Industries auf Llanade 2 um eine Ladung Gravlifter und Maneuverantriebe für die Werft auf Eridan aufzunehmen. Nicht um alles in der Welt hätte ich gedacht was mich bei diesem Frachtauftrag erwarten könnte.

    Die Verladung ging ausgezeichnet voran und auch die Frachtpapiere waren tadellos vorbereitet. Ein kleiner Druckfehler bei der Colliangabe einer der Paletten. Statt drei Paletten wurden vier geladen. Die Etiketten waren aber okay. Inhalte und das Gesamtgewicht entsprachen der angegebenen Lieferung. Passiert bei vier von zehn Ladungen. Kein Ding also.

    Der Cusso kam auch gleich an und vetsiegelte den Laderaum ohne einen Kommentar über die Abweichung zu verlieren. Alles gut. Auf gehts. Gegen 12:00 uhr rollte ich mit der Liddy von der Frachtrampe weg zum Abfertigungsfeld. Fusionsreaktor grün, Andruckabsorber grün, LSS grün, Antriebsmotoren grün, Sensorik klar und Treibstoff bis unter den Lukendeckel.

    Liddy – das ist meine etwas vorlaute Bord-AI – meldete alles klar zum Start und ich machte es mir auf der Brücke bequem. Der AeroTec Sessel passte sich automatisch an meinen Körperkonturen an. Ganz automatisch, aber leider nicht ganz. Eine kleine Unbequemlichkeit blieb eigentlich immer zurück. Der Kaffeeautomat gab mir zu verstehen das er genauso fertig war wie Liddy oder ich. Ich zog die Steuerkonsole zu mir herüber und gab Energie auf die Motoren. Mit 1840 Tonnen, 16 Antriebsrollen, 122m Länge, 12m Breite und 18m Höhe konnte Liddy durchaus für anerkennende Blicke sorgen. Ich steuerte den 2966er Jefferson Airstream auf das Werkstor zu und reihte mich auf den Zubringer zum Starport Freeway ein. Der Originale CAM 3000 Reaktor pumpte beruhigend und unauffällig. Alles gut.

    Sicher ist die Beschleunigung nicht mit einem 3030er Airstream oder gar einem von diesen brandneuen HiVelo’s von CVC vergleichbar, aber dennoch erreichten wir zügig unsere Reisegeschwindigkeit von knapp 170m/s und es sprach alles dafür, das die Tour ohne besondere Vorkommnisse abgeschlossen werden konnte. Jedenfalls könnte ich einen Lieferbonus wegen pünktlicher Lieferung sehr gut gebrauchen, um vielleicht die rechte Frontwalze oder den Sitz reparieren zu lassen.

    Sogar eine Kopie von Ruby’s “I gotta rock, he gets stoned” hat Liddy im Musikarchiv gefunden. Happy crusin’ also…

    Am Raumhafen gab es kaum Verkehr auf der RoRo Verladespur und wir kamen im ersten Rutsch auf die “Saint Charles” rauf. Ich teilte mir das Deck nur mit einem Reise-Charterbus, einer von diesen 4stöckigen Luxusschlitten. Traumhafte Zustände. Ich freute mich auf meine Koje und ging nach hinten um zu duschen und mich noch ein wenig auf die Couch zu lümmeln. Zwei kühle CCC und ein Sandwich brachten mich aber schnell auf den Punkt. Die gefühlt 1200ste Wiederholung von Unsere kleine Kolonie im TriD konnte da nur positiv drauf einzahlen. Ich ging ins Bett.

    Ganz entfernt hörte ich das Fiepen des Einbruchalarms. Es musste zu meinem Traum gehören, denn Liddy würde mich definitiv wecken wenn etwas den Rig entern würde. Auch die ziemlich gleichmässigen Vibrationen des RoRo-Frachters der uns nach Sirius 3 bringen würde hatten sich nicht verändert. Ich dämmerte wieder weg.

    Nach knapp 8 Stunden tiefem Schlaf erwachte ich plötzlich. Es war nicht dieses sanfte in den Tag gleiten das mich auf dem RoRo Teil meiner Route immer begrüsste. Ich war von einem auf den anderen Moment hellwach. Bis auf den beruhigenden Rhytmus des Frachters war es ruhig. Liddys Klimaanlage lief nicht. Das machte mich nervös.

    Nackt wie die Welt mich schuf (das wäre dann wohl Altara) sprang ich aus der Koje und stürmte nach vorne auf die Brücke. Und stand wie vom Donner gerührt still. Mit diesem süffisanten Lächeln auf den Lippen, einer Torika GF-X8 im lockeren Anschlag saß sie in meinem Kommandosessel und ich blickte in zwei tiefgrüne Augen die mich funkelnd von oben bis unten musterten. Ihr Mund verzog sich etwa in der Körpermitte zu einem Grinsen und mein Blick folgte dem ihren. Was soll ich sagen. Es war früher Morgen. Und es lief mir ein Schauer über den Rücken.

    Sie trug die Uniform der Confederated Border Guards – der Bogarts – und schien nicht wirklich in offizieller Mission meinen Laster gekapert zu haben. Ich räusperte mich und blickte ihr wieder entgegen: “Was kann ich für Sie tun?”

    Sie drehte den Sessel leicht in Richtung des Shotgun Sessels und hakte mit ihrem Hochhackigen Stiefel hinter meine Jeans. Ein Kick und diese flog mir genau in die Arme. Sie hatte so ein rauchiges Lachen drauf, als sie sagte: “Anziehen, sonst kann ich für nichts garantieren…”
    Letztlich mit einer Hose bedeckt winkte sie mich mit dem Lauf der Waffe zum zweiten Sessel rüber und bedeutete mir mich zu setzen. Ich tat wie mir geheissen und behielt den unerwarten Damenbesuch dabei im Blick. Mir fiel auf, das sie das Namensschild und das Einheitenzeichen von den vorgesehenen Stellen der Uniform entfernt hatte.

    “Rhaan, Tarlon Carl Walter, 42 Jahre, alt. Bis vor 4 Jahren inaktiver Agent des NIS. Zwei Auszeichnungen für heldenhaftes Verhalten im Gefecht. Bis vor zwei Jahren mit einem Millionen Credit Portfolio auf Oceania 4 registriert, zielsicherer Schütze, Trampfrachter “Midnight Rambler” ebenfalls registriert auf Oceania 4… ” sie blickte mich an. “Es sah doch alles nach einem guten Ruhestand aus. Was ist passiert?”
    “Sie müssen mich verwechseln, Lady?”
    “Tar.” Sie sah mich mit einem Anflug von Enttäuschung im Gesicht an, “ich darf sie doch Tar nennen?”
    Und nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: “Wollen sie dieses Spiel wirklich treiben?”
    “Lady…”
    “Nennen sie mich Adirah, Tar.”
    “Adirah… Was wollen sie. Ich bin mir sicher sie suchen sich nicht all diese alten Kamellen über mich aus dem GlobalNet haraus ohne dafür einen bestimmten Grund zu haben. Schiessen sie los. Und das meine ich nicht wörtlich…”

    Sie zuckte mit den Achseln, legte den Kopf ein wenig auf die Seite und schob dann die HPP in das ausladene Fangfeld des MagnLock Holsters an ihrer Hüfte. Die Waffe schmiegte sich wie von Geisterhand an ihren Oberschenkel an und wurde dann von einer LiquiPlast Hülle überzogen. Beeindruckend.
    “Ihre Geschichte sagt mir das sie auch bei nicht ganz offiziellen Job der richtige Mann für mich sind.” Sie blickte wieder auf meine Gürtelschnalle, oder zumindest in diese Richtung.
    “Adirah, wenn Sie wollen das ich einen Job für sie machen, dann sprechen sie mich einfach an. Kein grund in meinen Rig einzubrechen, meine AI runterzufahren und mich mit einer Waffe zu bedrohen. Ich bin echt umgänglich und lasse dabei oft sogar noch einBier springen.” Ich war echt sauer und drehte mich zur Konsole um.

    “Tar, sie gelten als unbestechlich. Da gehe ich kein Risiko ein.” Sie seufzte. “Auf ihrem Trailer befinden sich vier Kisten mit Maschinenteilen. Einer davon gehört mir. Sie verlassen den Interspiral Expressway auf Sirius 3 und machen eine kurze Rast in einem kleinen Nest namens Hellbridge. Dort ist eine geräumige Scheune in die der ganze Truck hinein passt. Wir gehen in den Trailer durch einen der Wargungs- und Kontrollzugänge, nehmen die Ware aus der Kiste heraus, füllen ein paar Beutel mit Schmiermitteln hinein um das Gewicht auszugleichen und verschliessen diese wieder. Zehn Minuten später sind wir verschwunden und sie wieder ‘on the road again’.”

    “Was springt für mich dabei heraus? Wie erreiche ich sie unterwegs?” fragte ich.
    Sie lächelte nur. Stand auf, gab mir einen Kuss auf die Lippen. Dann zog sie die Lippen ein, blickte mir tief in die Augen und verschwand im Gang zur Aussenschleuse.
    Hastig schlug ich die flache Hand auf die Start-Schaltfläche der Bord-AI. Doch als diese mich sekunden später begrüsste hörte ich unten nur noch die Aussenschleuse zufahren.

    “Guten Morgen, Tar.” Liddy pausierte kurz, “synchronisiere… Korrigiere. Guten Tag, Tar. Es ist Sonntag der 24. Decy 3031. Fröhliches Weihnachtsfest. Wir haben neue Kursdaten des Könföderierten Grenzschutz erhalten.”
    Ich brauche euch nichts zu erzählen. Der Rest der Route verlief ereignislos. Behördliche Kursdaten konnte die AI nicht selbst umgehen. Nach dem Zwischenstop in Hellbridge waren 15000 Credit mehr auf meinem Konto und eine Rufnummer tauchte in meinem Kontaktspeicher auf die auf Adirah St.Clause lautete. Ganz sicher der echte Name der Braut.
    Ihr könnt Euch sicher vorstellen wie ich mich dabei fühlte. Benutzt, verarscht und irgendwie ein bischen cool…

    Sent from my SM-P605 using Forum Fiend v1.2.11.

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