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    Das Artefakt

    HOOK: Der grobschlächtige und etwas naive Außenweltler Vin Callaway entdeckt New Sydney. Durch einen ungewöhnlichen Zwischenfall gelangt er in den Besitz eines Koffers. Bei dem Versuch den Koffer an den Mann und an Info über den Inhalt zu gelangen entwickelt sich eine Turbulente Geschcihte. Dabei lernt er Tarlon Rhaan, Deerhound und ihre Freunde kennen, erlebt den Alltag und einige ziemlich abgedrehte Leute auf Altara. Das sich dabei auch noch das Khazzar, der CIS und noch zwei oder drei weitere Organisationen für den Inhalt des Koffers interessieren ist ein Garant dafür das es sich nicht um einen Ferientrip handelt.

    Auf der immer währenden Suche nach dem sprichwörtlichen Glück hat Vin seine Heimatwelt Dobb´s World in der Territorial League hinter sich gelassen und ist als Hilfs-Schiffstechniker auf einem alten Frachter nach New Sydney gekommen. Kaum hatte Vin den Transfer zur Oberfläche und die Einreiseprozedur hintersich gebracht, fand er sich auch schon im Schmelztiegel der Stadt wieder.

    Blauäugig wie ein Kind ließ der groß gewachsene Mann sich im Strom der Menschen treiben, folgte ziellos den unterschiedlichen Pulsorband-Routen kreuz und quer durch die City. Es ist nur eine Frage der Zeit bis ihn etwas aus der fälschlich wahrgenommenen Tourismusatmosphäre herausreißen und auf den Boden der Tatsachen zurückholen sollte.
    Auf dem Dungannon Streetmarket schließlich hängen die ersten Verfolger am Hacken des grobschlächtigen Provinzweltlers und ehe er es sich versieht, platzt ihm plötzlich und ohne Vorwarnung fast der Schädel vor Schmerz und dankbare Schwärze empängt ihn.

    Als seine Wahrnehmung wiederkehrt, hat Vin beachtliche Kopfschmerzen, auf der Zunge liegt ein eisenhaltiger Geschmack. Der Untergrund auf dem er liegt fühlt sich erdig weich an und riecht nach Gras und Senf. Senf?
    Vin reißt die Augen auf, doch gleißendes Sonnenlicht belehrt ihn eines besseren. Nach einiger Zeit kann er seine Umgebung wieder wahrnehmen. Ein Park, geauer ein Stadtpark. In einiger Entfernung erheben sich – eher brachial als majestätisch – die Fassaden riesiger Wolkenkratzer, einige von ihnen tauchen trotz der Entfernung den Park unter ihnen in düstere kalte Schatten.

    Der junge Mann steht vom feuchtkalten boden auf und setzt sich auf die Betonbank hinter der er gelegen hatte. Diese wird bereits von den Schatten der Nachmittagssonne in ein für seinen arg mitgenommenen Schädel angenehmes Halbdunkel getaucht.
    Vin führte eine kurze Bestandsaufnahme durch. Außer etwas Kleingeld und einem zerknitterten holographischen Folienausdruck von seiner Familie hatte man ihm alles abgenommen. Rucksack und Reisetasche sind verschwunden. Sein PDA mit dem schon seit langem lädierten Display liegt nur drei Meter weiter neben der Parkbank im Gras. Ächtzend steht Vin auf und schlurft zu dem altersschwachen Gerät. Auf dem Weg zurück zur Bank fällt sein Blick auf den Inhalt des überfüllten Abfallbehälters, der seitlich an der Bank befestigt ist. Seine ID, eine zerknickte Kunststoffkarte, blinzelt ihm entgegen. Mut- und jetzt mittellos sinkt Callaway auf der harten Bank zusammen.

    Wie konnte er nur so naiv sein?

    Er stützt sein Gesicht in seine Handflächen und schüttelt kaum merklich den Kopf, als schnelle Schritte sich im Halbdunkel der Gebäudes nähern. Es fallen Schüsse ganz in der Nähe. Ein Mann strauchelt, als er neben Vin aus dem Gebüsch hervorbricht und zu Boden stürzt. Die Waffe des Mannes und ein flacher schwarzer Koffer schlittern von Callaways Füße.
    „Der Koffer!“ stöhnt der Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht.

    Vin starrt wie versteinert auf die immer größer werdende Blutlache die unter dem Brustkorb des Mannes hervor sickert. Der starrt Vin flehend an: „Du must ihn zu Deerhound bringen!“. Vin ist nicht in der Lage zu reagieren.

    „Bitte. Bring Deerhound den Koffer. Du findest ihn im Dark Nebula. Schnell!“ Hinter Callaway im Gebüsch krachen schwere Schritte durch das Unterholz. Der Kopf des fremden sackt auf sein Geschicht. Wie in Zeitlupe bückt sich Vin und ergeift den Koffer. Drei Schritte weiter liegt die Waffe des fremden, Callaway nimmt auch diese an sich.

    Hastig setzt Vin sich in Bewegung. Weg. Nur weg von hier, schreit eine ängstliche Stimme in seinem Kopf. Im Laufen schiebt er die schwere Waffe vorn in seinen Hosenbund. Mit jedem seiner schweren Laufschritte schlägt der Koffer an Vins Oberschenkel, drückt die Waffe empfindlich in seine Körpermitte. Doch Vin läuft, schneller und weiter als je zuvor, wagt es nicht sich umzudrehen. Er nimmt nicht wahr wo er sich befindet. Verläuft sich, läuft, läuft und beginnt plötzlich zu straucheln. Ein stechender schmerz breitet sich von seiner Nierengegend aus.

    „Ich bin getroffen!“ zuckt ein Gedanke durch seinen Kopf. Ungläubig schleppt sich Vin in eine dunkle Gasse. Läuft plötzlich auf Gitterrosten. Eine Treppe. Callaway folgt der langen Treppe abwärts. Über vier Zwischenebenen geht es knapp 20m in die Tiefe. Die Fenster der Gebäude links und rechts der Gasse sind hier unten verschlossen. Fünf Stockwerke tiefer steht er wieder auf Beton. Ladedocks tür Versorgungsfahrzeuge sind in die Gebäudewände eingelassen. Es riecht nach Urin, verschmorten Kabeln und nach… Fisch?

    Vin Callaway folgt der Treppe weiter in die Tiefe. Neun Zwischenebenen waren es diesmal und er blickt ungläubig ein spärlich beleuchtetes Hafenbecken in dessen brackigen Wasser eine Menge Abfall und einige Frachtschuten liegen.
    Callaway sieht sich um, kann niemanden entdecken als er im Halbschatten zu den Schuten hinüber, vom Pier mit einem kurzen Satz an Bord der erstbesten Schute springt. Durch eine Luke gelangt der gebürtige Eridaner in einen Stauraum auf dem Vorschiff um seine Wunden zu lecken.

    Den Schmerz in Seiner Seite hatte Vin erst für eine Schußverletzung gehalten. Hysterisch lachend jedoch quittierte er die Erkenntnis das er einfach nur Seitenstiche hatte. Atemlos vor Erschöpfung sinkt er in die Hocke gegen die rostige Stahlwand der Schute gelehnt und starrt in die Dunkelheit.

    Seine Augen Gewöhnen sich langsam an die daran und etwas fahles Licht dringt durch die Luke in die beklemmende Enge seines Verstecks. Das Ziepen von Chathras oder ähnlichen Nagetieren die sich im Abfall verbreitet hatten dringt an sein Ohr. Diese Geräusche kannte er aus Dobbs Haven bereits und es war als wolle Altara ihn in Sicherheit wiegen.

    Vin überlegt fieberhaft was er noch tun könnte oder vielmehr sollte. Ob es ihm gefällt oder nicht, Vin hat weder Geld noch Freunde und um zu überleben braucht er einen Job. Da gibt sich Callaway keinerlei Illusionen hin. Dieser Deerhound von dem der Fremde gesprochen hatte könnte ihm mit etwas Glück dabei helfen wieder auf die Beine zu kommen. Zumindest hofft er für ein paar Tage unter zu kommen um sich erst einmal zu orientieren. Bleierne Müdigkeit jedoch defokussiert seine Gedankengänge und nur wenig später fällt Vin auf einem Haufen Luftpolsterfolien in einen unruhigen Schlaf. Bilder seines Lebens zucken durch seine Träume. Wie er als Ausbilder die Land- und Forstleute auf Dobbs World darin einweiht welche Anzeichen ein bestimmtes Wetter ankündigen.

    Als Vin jäh erwacht dringt etwas mehr Licht durch die Luke über ihm. Bis auf das leise Schwappen des Hafenwassers kann er nur das metallische Stöhnen der alten Kähne vernehmen. Nach etwa 30 Minuten beschließt Vin aufzubrechen und das Risiko einzugehen das Versteck zu verlassen. Als er den Kahn verläßt treiben dichte Nebelschwaden durch den unterirdischen Hafen und die unwirkliche Unterwelt der Stadt.

    Vin hat auf seiner Heimatwelt viel von New Sydney gehört. Von seinem Bruder Dave, der auf einem Freihändler sein Geld verdient. Von den betrunkenen, abgeheuerten Raumleuten die auf Dobbs World gestrandet waren. Doch die leuchtend schillernden Geschichten der Erzähler standen in klirrend kaltem Gegensatz zu der düsteren Realität in der sich Vin nun befindet. Er erinnert sich an Lucy Lou´s Tipps für Reisende. An einen Spruch der Kellnerin des „Lands End“ in Dobbs Haven, der einzigen Stadt mit einem Raumhafen auf seiner Heimatwelt.

    „Junge“ sagte sie damals, „meide die Dunkelheit und meide das Licht!“ Sie sah ihm dabei fest in die Augen: „Sieh zu das Du dich in den Schatten bewegst, solange Du an einem Ort bist, an dem Du dich nicht zurecht findest. Viel Glück!“

    „Glück,“ denkt sich Vin bei dem Gedanken an Lucy Lou, „Das werde ich wohl brauchen können.“ Vorsichtig kehrt er an die Oberfläche zurück und bewegt sich durch die düsteren Seitenstrassen vorwärts. Die schwere Waffe in seinem Gürtel rutscht ihm beim Gehen unangenhem in den Schritt, doch sie vermitelt ihm zugleich ein kleines Gefühl von Sicherheit…

    #2363
    Fred_Krug
    Mitglied

    Ja, mit Urlaub hat das nichts zu tun …

    Wie geht es weiter?

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