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    Fred_Krug
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    UFO Red

    Die Holoprojektion des Radars flackert leicht in dem neutralen dunkelblauen Ton, welches die zahlreichen Eingabegeräte und Monitore in der näheren Umgebung des Kontrollraums gespenstisch einhüllt. Wirre, scharfe Schatten fallen unter Hebeln, Knöpfen und Reglern, die durch das kühle Grauweiß der Monitore zerstreut werden. Auf verschiedenen Anzeigen laufen Kolumnen von Zahlenwerten, vereinfachten Grafiken und kurzen Textelementen in atemberaubender Geschwindigkeit.
    Unauffällig sitzt der Controller in seinem Kontrollsitz, welches in den Armlehnen und in einem modularen und beweglichen Tisch verschiedene Komponenten eines Navigationssteuersystems beinhaltet. Über ein Optokabel ist der Controller mit diesen Modulen verbunden. Die Kontrollleuchte für den Stand-By Netlink-Betrieb leuchtet unauffällig zwischen zahlreichen anderen kleineren Anzeigen.
    Aufmerksam und ruhig folgen seine Blicke den unterschiedlichen Anzeigen der zahlreichen Monitore und des Radars, indem er zwischen diesen stetig wechselt. Mit einer nahezu autistisch anmutenden Gleichförmigkeit wendet sich sein Kopf dabei mal nach links und mal nach rechts.
    Plötzlich verkrampft er seine Lippen, als wollte er etwas durch den Mund pressen. Dann taucht in dem technokratischen Licht zwischen den Lippen eine feste, weiße Masse auf, die sich ausdehnt. Das Gesicht ist immer noch angespannt.
    Eine gewaltige Luftblase von Kaugummimasse umschlossen bildet sich vor dem Gesicht des Controllers. Nach atemberaubenden Sekunden ist der Innendruck so stark angewachsen, dass die Blase mit einem satten „Plopp“ zerplatzt.
    Gedämpft schreit eine helle männliche Stimme über die Kopfhörers des Controllers: „Verdammt! Was war das?“
    „Ruhig Blut, Pete. Ruhig Blut …“ Die Stimme des Controllers ist leise.
    „Was hast Du verdammt noch mal gesagt.“
    „Ruhig Blut, Pete. Ruhig Blut …“ Dieses Mal spricht er etwas klarer.
    „WAS war DAS?“
    Der Controller schaut sich um und grinst dann in eine Kamera zwischen zwei Monitoren, die Daten über die Fracht, Besatzung und Passagiere eines Vega-Klasse Transporters anzeigen. Zwischen seinen Zähnen presst er ein wenig seines Kaugummis hindurch. „Gesehen?“
    „Was?“
    „Man, Pete. Ruhig Blut. Du hast doch die Überwachungskamera hier installiert, um jederzeit zu sehen, dass wir keinen Mist machen.“ Danach wiederholt er seine Aktion mit dem Kaugummi, bis es erneut mit einem lauten „Plopp“ zerplatzt.
    „Lass das, Konrad!“
    Konrad grinst nur und beobachtet die Monitore und Bildschirme. Gelegentlich justiert er die Anzeigen mit den verschieden Reglern und Schaltern.

    Das Radar zeigt die typischen gelben Distortionswellen, wenn sich die Entladung eines Riftantriebs ankündigt. Konrad wird aufmerksamer. Neugierig überfliegt er einen Monitor unmittelbar unterhalb des Holo-Radars. Er wirkt zunehmend angespannt. „Pete. Nach meinem Flugplan ist keine Rift-Landung für diesen Sektor zu dieser Zeit vorgesehen. Was ist los?“
    „Was? Eine Rift-Landung?“
    „Sag ich doch. Der Datenabgleich mit dem Vega-Frachter hat die Flugpläne aktualisiert; da war aber nichts mit einem Rift-Antrieb vorgesehen.“
    „Roger. Ich lasse es prüfen. ETA?“
    „Nach der Stärke der Felder und den Berechnungen …“, sein Blick wechselt auf ein Modul an seiner rechten Lehne, „… wird der Rift-Peak in minus 213 seconds erreicht.“
    „Wann?“
    „Minus 210 seconds.“
    „Verdammt ist das schnell. Over and out.“
    „Out.“
    Die Kontrollleuchte des Netlink-Moduls wechselt die Farbe auf rot. Konrad sinkt tiefer und entspannt in seinen Sessel. Seine Augen rollen nach oben, und sein Mund hört auf, den Kaugummi zu kauen.

    „Sir? Konrad ist dived.“
    „Gut. Monitoren Sie ihn, Mirkow. Dr. Naguro, achten Sie unter allen Umständen auf seine Lebenssignale. Cpt. Lumumba – decken Sie ihn mit einem Dive-SWAT, Security Condition Orange. Ltd. Smith, alarmieren Sie PlaDeF, geben Sie UFO Orange Warnung aus. Smorovich, was zeigt das Radar?“
    „Konrads DIM Monitor schlägt aus.“
    „Gut! Smorovich, das Radar!“
    „Ay, Sir!“
    „Sir, auf dem Radar taucht eine unbekannte Schiffssignatur auf!“
    „Unbekannt?“
    „Sir, die USC Shiffsanalyse läuft.“
    Pete schließt das Optokabel in sein passives Cyberdeck an. „Konrad. Approach Target. Confirmation: UFO. No tag on inbound vessel.“

    Um Konrad blitzen und flackern die Lichter und Reflektionen einer riesigen Disco-Kugel, die über seinem paar Turnschuhen an der Decke hängt. Der Boden ist pechschwarz und reflektiert kein Licht; aber die übrige Umgebung leuchtet in bizarren Neonfarben. Sein rechter Schuh tappt unruhig auf dem Boden. Dann fällt eine stylische und coole Sonnenbrille so über die Schuhe, dass die Bügel der Brille die Schuhe umfassen. Auf der Innenseite der Gläser werden viele Informationen abgebildet – teilweise in Bildern, teilweise in Wort und Zahl.
    Die Disco-Kugel stoppt ihre Rotation. Nun reflektiert sie zunehmend mehr und mehr Lichter auf die reflektierende Außenseite der Brille. Zeitgleich wachsen mit jedem Strahl Hosenbeine, Gürtel, geschmackloses weißes Sacko, Hawaihemd und eine punkige Frisur aus den Schuhen heraus. Die Sonnenbrille schwebt nun auf der Höhe, auf der die Augen wären. Mit einer Saturday-Night-Fever Geste zuckt der Arvatar und erklärt so seine Betriebsbereitschaft.
    ‚Immer wieder ein Schauspiel. Weniger als eine Millisekunde. Das letzte Tuning hat was gebracht. Und alle Programme da. Oh boy, es kommt mir immer so vor, als würde die Zeit regelrecht stehenbleiben.’
    Während Konrad dieser Gedanken durch den Kopf schießen, formt sich auf der Tanzfläche eine immer größer werdende Zahl stilisierter androider Tänzer, die zu einer imaginären Musik mit sich selbst tanzen.
    ‚Message an Pete – bin online. Awaiting orders.’
    Sein Avatar bewegt sich schillernd zwischen den Tänzern rhythmisch zu einer rätselhaften Musik. Neben den Geräuschen entstehen Stimmen:
    ‚Approach Target. Confirmation: UFO. No tag on inbound vessel.’
    ‚Launch Defense Tool.’ Die Androiden auf der Tanzfläche wachsen zusammen. Ihre Körper verschmelzen zu selbst für diese Zeit futuristischen Kampfpanzern, die ihre Geschütze in eine Richtung drehen. Die Zeit läuft. ‚Zum Glück habe ich den Zeitkonverter dieses Mal aktiv …’
    Plötzlich taucht die Silhouette eines Raumschiffs jenseits der Tanzfläche auf. Es erinnert an ein Trägerskelett, in welches zahlreiche Kugeln und Container eingefasst sind. Nur wenige Lichter an dem Raumschiff deuten auf seine Betriebsbereitschaft auf.
    ‚Was ist das denn?’ Das Schiff wird langsam größer. ‚Für dieses Modell habe ich keinen Avatar … Aus welchem …?’
    Als er „Museum“ ausdrücken wollte, zerfallen plötzlich einzelne Panzer. Die Übrigen reagieren nicht. ‚Verdammt! Pete, ich brauche …’ Weitere Panzer zerfallen.
    Dann erlöschen nach und nach einzelne Lichter der Discokugel.
    Konrad führt Prozeduren aus, um neue Panzer zu erstellen oder die zerfallenen wieder zu reaktivieren. Sein Avatar flackert dabei und schillert in merkwürdigen grünen Farben und Linien. Die Semi-AI seines Avatars rekonfiguriert und reprogrammiert die Schutzmaßnahmen. ‚Was ist das Problem?’ Seine Sonnenbrille fliegt in Richtung des Raumschiffes los. Dabei werden aus der Brille diverse unterschiedlich gefärbte Strahlen ausgesandt, die über das fremdartige Raumschiff flackert. Dann springt ein Glas der Brille.
    ‚ScheißescheißeSCHEIßE!!!’ Als er beschließt, die Brille zurückzuholen, wird er nervös.
    ‚ESD! ESD!“

    „Ltd. Smith, erhöhen Sie auf UFO Red!“
    „Commander Crawford?“
    „Was gibt es Captain? Warum… Warum schauen Sie so entsetzt?“
    „Das … das Dive-SWAT …“
    „Was?“
    „Die Lebenssignale aller vier Dive-SWAT Mitglieder sind …“
    „Ja, Daktor?“
    „Sir, sie sind tot.“
    „Verdammt! Was ist mit Konrad?“
    „Keine Signale.“ Pete schaut irritiert. „Keine Signale, Sir! Wir wissen nicht, was mit …“
    Die Notbeleuchtung taucht die gesamte Zentrale in ein düsteres, grünliches Licht, als alle weiteren Lichtquellen einschließlich der Monitore ausfallen.
    „Was, zur Hölle, ist denn jetzt schon wieder?“

    Begriffserklärung:

    Distortionswellen: gravitonische Hyperraumenergiefelder, die als Nebeneffekt bei Rift-Antrieben entstehen
    ESD: Emergency Shut Down
    PlaDeF: Planetary Defense Force
    Rift-Peak: Zentrum des Hyperraumenergiefeldes eines Rift-Antriebs, sprich: der Antrieb als solcher
    UFO: Unidentified Flying Object

    Copyright: Clem Carlos Schermann, Salzgitter 2009

    Welcher Mod?
    von Fred_Krug am Mo 21. Dez 2009, 23:31

    Welcher Mod?

    Leuchtend bunt flackern die Leitungen des Grids in der virtuellen Aussicht, während Junior Gen sich auf seinen Hack vorbereitet. Es ist sein erstes Mal.
    Nachdem er in diversen Foren und Quellen gelesen hat, welche Programme man für das erste Mal braucht, hat er sich diese besorgt. Und um der Community und der GloablNet Populacy zu zeigen, mit wem sie es zu tun haben, hat er sich zudem einen phantastischen Avatar erstellt, der Eindruck schinden soll. Junior Gen, Antiheld des GlobaNet, sieht aus wie ein ComTechCop ICE Avatar, wobei der üblicherweise androide Kopf durch einen Marshmallow Würfel ausgetauscht worden ist. Auf der Brust prangt nicht das Logo von CTC sondern flackern bunt und schillernd die Initialen JG.
    Ungeduldig beobachtet Junior Gen den Systemstatus seines Notebooks, welches noch immer damit beschäftigt ist, die Umgebungsvariablen für den NetDive vorzubereiten. Vor allem, so hat Junior gelesen, kommt es darauf an, dass die fiktive APID vernünftig vorbereitet sein will, um Traces gegen den Netdiver zu verhindern.
    Neunzig, einundneunzig, zweiundneunzig, dreiundneunzig, vierundneunzig, vierundneunzig, vierundneunzig.
    Vierundneunzig? Warum hängst du?
    Vierundneunzig, vierundneunzig, vierundneunzig,
    Komm schon! Nicht beim ersten Mal! Ich habe es genau …
    Zwupp.

    Norton schreit auf, als er sich die Induktionspads von seiner Schläfe reißt, mit denen er an sein Notebook angeschlossen ist. Heftige Kopfschmerzen schießen wie heiße Nadelstiche durch seinen Kopf. Er möchte am liebsten schreien. Aber durch die Schmerzen verkrampft er so sehr, dass er redlich bemüht ist, zu Atem zu kommen. Dann hängt sein entsetzter Blick auf dem Notebook. Auf dem Display verschwindet das UI des OS und es tauchen nur ein paar Worte auf:

    DEIN ERSTES MAL?

    Plötzlich fangen die Speicherkomponenten und Prozessoren des Notebooks an, stark und intensiv zu arbeiten. Das Notebook summt, surrt, klickt und klackt immer lauter. Und ehe Norton begreift, was passiert, ertönt ein leises, knisterndes und brutzelndes Geräusch. Nur Augenblicke später steigt leichter Qualm aus dem Gehäuse des Notebooks auf.
    Panisch greift Norton nach dem Gerät, um den Akku zu entfernen. Als er diesen berührt, schreit er vor Schmerz auf, da es glühend heiß ist. Das Notebook fällt laut klappernd zu Boden, wodurch das Display und das Gehäuse mehrere Risse und Sprünge erhalten. Kurz flackert die Anzeige noch, bis sie aufhört zu leuchten. Aus dem Notebookkadaver steigt nun ein schwelender, mit Kunststoffen und oxidierten Legierungen versetzter Rauch.
    Ungläubig starrt Norton das Gerät an. Er wartet, bis sich der Rauch legt, und versucht, das Notebook anzuschalten. Nichts tut sich.
    Dann wird er nervös. Er greift nach einem kleinen Werkzeugset, dem er einen Schraubendreher entnimmt. Als er das Gehäuse des Notebooks geöffnet hat und erkannt hat, dass nahezu alle Chipsätze verschmort sind, bricht er die verschiedenen Komponenten auseinander, um an den Arbeitsspeicher sowie die Festplatten zu gelangen. Sie haben gesagt, wenn ein Hack daneben geht, dann vernichte alle Komponenten, die Rückschlüsse erlauben. Alle Speicherelemente – auch die Speichersätze der Grafikmodule. Hastig bricht er diverse Chipsätze aus dem Notebook.

    Er hält inne, als plötzlich sein PDA piept. Dann verstaut er die heraus gebrochenen Computerteile in einem einfachen Umhängebeutel, schleudert die Reste des Notebooks in eine dunkle Ecke und eilt davon. Auf dem Weg aus dem dunklen Korridor wirft er einen Blick auf den PDA.

    Er hat eine Textnachricht erhalten, die er öffnet und liest. Er wird bleich: „Looser! MfG.“ Irritiert blickt er in die Details der Nachricht, um ihre Quelle zu erheben: Invalid APID. Norton wird schlecht. Hastig löscht er die Nachricht, auch aus dem Papierkorb, und taucht in die Menschenmasse des Einkaufszentrums ein.

    Ich habe doch alles richtig gemacht. Ich habe eine öffentlich leicht zugängliche Node verwendet, die keine hohe KI Anforderung stellt. Ich habe meine APID verschlüsselt. Ich habe alle persönlichen Daten ausgeparkt. Ich habe …alles richtig gemacht. Bin ich etwa … ? Nein. Glaube ich nicht. Wer sollte mich denn hacken wollen?

    Als er das Gebäude des Einkaufszentrums verlässt, sieht er, wie mehrere Fahrzeuge der Lokalpolizei vorfahren. Hastig springen mehrere schwer bewaffnete Polizisten aus den Fahrzeugen und stürmen in die Menschenmenge. Ohne Rücksicht auf die Besucher des Einkaufszentrums, werden sie alle zu Boden geschleudert oder angerempelt. Einigen Bürgern gelingt es, den Polizisten aus dem Weg zu gehen. Norton will diesen Beispielen folgen, als er plötzlich von hinten einen Schlag in die Kniekehlen verspürt. Sofort sackt er zu Boden und stößt unsanft mit dem Kinn und einem Ellenbogen auf den harten Asphalt. Nur noch gedämpft hört er die aggressiven Stimmen der Polizei, wie sie ihm befehlen, liegen zu bleiben, keine Gegenwehr zu zeigen und sich zu ergeben. Er hört noch die Worte nach dem Recht zu schweigen und spürt, wie ihm der Umhängebeutel von seiner betäubten Schulter gerissen wird. Die Welt verschwimmt um ihn herum, bis er das Bewusstsein verliert.

    Big Deal „Welchen Mod?“
    ZeroZapper „Du hast schon richtig verstanden.“
    WCBrush „Das ist nicht dein Ernst!“
    ZeroZapper „Keine Ahnung, wo er den her hat.“
    StI/Orm „Ich glaube es nicht. Hast du eine Ahnung, wann der das letzte Mal verwendet worden ist?“
    ZeroZapper „Keine Ahnung. Lange her.“
    Big Deal „Wie kann man ausgerechnet diesen verwenden?“
    StI/Orm „Och, der hat schon seine Vorteile.“
    WCBrush „Du spinnst!“
    StI/Orm „Nein, ernsthaft. In einem HomeNet oder eigentlich jedem beliebigen EncapsuledNet kann dieser Mod für viel Aufregung sorgen.“
    ZeroZapper „Ja, schon. Aber dafür musst Du erst mal auf so ein System drauf. Und die sind üblicherweise nicht im GlobalNet drin.“
    StI/Orm „Oder von draußen mit ungültigen APIDs erreichbar.“
    WCBrush „Stimmt.“
    Big Deal „Stimmt.“
    CurseCursor „Yep.“
    CPUser „Recht hast du. Das ist eigentlich auch bekannt. Genauso …“
    Nexus Dealer „… wie jeder weiß, dass dieser Mod echt nichts wert ist, wenn du damit draußen unterwegs bist.“

    Stimmen tauchen in Nortons Kopf auf und erklingen wie geschriebener Text in seinem Kopf.

    StI/Orm „Ah, es lebt.“
    CurseCursor „Soso. So, wie der reagiert hat, war das eigentlich ein Wunder.“
    WCBrush „Tsts. So ein Idiot.“

    Idiot? Wer? Reden die von mir? Wo bin ich überhaupt? Warum sehe ich nichts?

    ZeroZapper „Der hat an alles gedacht. Nur nicht an einen Terminal. Big Deal, kannst du es implementieren?“
    Big Deal „Diesem Spinner?“
    ZeroZapper „Komm schon. Du hast auch mal klein angefangen.“
    Big Deal „Erinnere mich nicht daran. Okok.“

    Autsch! Was machen die mit mir? Was ist das …? Ein unangenehmes und schmerzhaftes Gefühl durchbohrt den Kopf von Norton. Dann sieht er plötzlich vor sich einen weiß leuchtenden und schlichten Monitor. Das Licht wird von der Umgebung völlig verschluckt. Er sieht nicht, wo er ist. Die geschriebenen Worte, die zunächst in seinem Kopf erklungen sind, tauchen nur als einfache Texteingaben auf dem Bildschirm auf.

    CurseCursor „Hi!“
    WCBrush „Moin.“
    Nexus Dealer „Tach auch.“
    Big Deal „Hey, Looser.“
    StI/Orm „’lo.“
    Norton „Looser? Meinst du mich?“
    Big Deal „Ja, wen sonst. Siehst du etwa andere Looser, du Looser?“
    Nexus Dealer „Locker, Big Deal. Lass ihn erst Mal zur Ruhe kommen.“
    Norton „Was ist das hier? Wo bin ich?“
    WCBrush „Du bist unser Opfer.“
    CurseCursor „Unser Futter.“
    Nexus Dealer „ROFL!“
    WCBrush „LOL!“
    StI/Orm „LOLLOL“
    Big Deal „Und du bist hier, um dich für deine Untaten zu verantworten.“
    Norton „Was? Wie??“
    Nexus Dealer „Kommt, Leute! Geht spielen, lasst mich mit ihm allein.“
    StI/Orm „Ok.“
    WCBrush „kk.“
    CurseCursor „rgr tht.
    ZeroZapper „Aye.“
    Big Deal „Wirklich? Du willst diesen Looser alleine verarzten?“
    Nexus Dealer „Ja, Big Deal.“
    Big Deal „Na gut. Ruf mich, wenn du einen Folterknecht brauchst.“
    Nexus Dealer „Werd ich.“

    Einen Moment geschieht gar nichts.

    Nexus Dealer „So, jetzt sind wir allein.“
    Norton „Was habt ihr mit mir vor?“
    Nexus Dealer „Nichts mehr. Wir hatten unseren Spaß.“
    Norton „Was?“
    Nexus Dealer „Mensch, du bist echt ein Spinner. Was glaubst du, machst du hier?“
    Norton „Ich? Was meinst du?“
    Nexus Dealer „Hast du es noch nicht begriffen?“
    Norton „Sorry. Ich bin verwirrt.“
    Nexus Dealer „Und ein Idiot. Du wolltest ’nen Hack machen. Einen gepflegten NetDive. Richtig?“
    Norton „Äh, ja!“
    Nexus Dealer „Und wie hast du dich darauf vorbereitet?“
    Norton „???“
    Nexus Dealer „Gar nicht, oder?”
    Norton „Dochdoch. Ich habe verschiedene Foren und Magazine gelesen und da …“
    Nexus Dealer „Was hast du? Welche?“
    Norton „Na, äh … GlobalNetHackers, BrainBurner, Anti-Binäre, …”
    Nexus Dealer „Hör auf! Das ist ja schrecklich!“
    Norton „Wieso? Ich habe gelesen, dass …“
    Nexus Dealer „Gelesen? Du hast einen echt schlechten Start hingelegt.“
    Norton „Wieso?“
    Nexus Dealer „Mensch, wenn du halbwegs informiert bist, weißt du, dass alle diese Quellen von Security Personal überschwemmt sind. Die platzieren dort so viel Schrott, damit sie die ganzen unerfahrenen Leute abfischen können. Unerfahrene Leute wie dich. Jetzt weiß ich auch, woher du die Idee hast, gerade diesen Mod zu verwenden.“
    Norton „Was ist mit dem Mod?“
    Nexus Dealer „Er ist für die öffentlichen Bereiche des GlobalNet überhaupt nicht geeignet.“
    Norton „Aber der verschlüsselt doch meine APID – besser als die meisten anderen Mods.“
    Nexus Dealer „Ja, schon. Aber er verschlüsselt nur den ersten Teil.“
    Norton „Das ist doch der wichtige.“
    Nexus Dealer „Dude! Halt mal den Rand!!!“
    Norton „Okok.“
    Nexus Dealer „Der APID ist der Schlüssel zu allem. Und es wichtig zu begreifen, welcher Teil von diesem der gefährliche ist. Und der erste Teil ist es nicht!“
    Norton „Aber da stehen doch die ganzen Net ID Elemente meines Systems drin.“
    Nexus Dealer „Ja. Und?“
    Norton „Und? Und was?“
    Nexus Dealer „Und was sagt das aus?“
    Norton „Wer ich bin.“
    Nexus Dealer „Falsch! Es sagt nur etwas darüber aus, was deine erste Koordinate im GlobalNet ist – nämlich den Teil deiner NetAdresse, der von deinem Computersystem definiert wird; außerdem etwas über den KI des Systems, das Betriebssystem, den LogOn Mode am Node Hoster und einige wenige Informationen zu dir selbst. Alle Informationsbestandteile des NodeHosts werden dabei nicht verschlüsselt, da diese auf einem anderen KI, Datensystem und OS basieren. Die Verschlüsselung, die du verwendet hast, konnte das nicht verwalten. Jeder Whitehead hätte damit keine Probleme, auf Dein System direkt zuzugreifen.“
    Norton „Das zu verschlüsseln macht also Sinn!“
    Nexus Dealer „Njain!“
    Norton „Was willst du von mir.“
    Nexus Dealer „Norton: Das zu verschlüsseln ist immer gut. Aber das reicht nicht, um einen gepflegten NetDive zu machen.“
    Norton „Nicht?“
    Nexus Dealer „Nein! Hast du denn nicht begriffen, was passiert, sobald du ins GlobalNet eindringst?“
    Norton „Meine APID wird gespiegelt, und in einer virtuellen Umgebung wird mein OS ausgeführt.“
    Nexus Dealer „Aha!“
    Norton „Ja, und?“
    Nexus Dealer „Denk mal nach statt Lehrbuchkram zu wiederholen.“
    Norton „???“
    Nexus Dealer „Deine APID wird gespiegelt, damit der NodeHost weiß, welcher KI er was zutrauen kann. Wenn der NodeHost sieht, dass die APID verschlüsselt ist, dann …“
    Norton „… dann generiert er Output Routinen an das veränderte und gespiegelte OS.“
    Nexus Dealer „NEIN!“
    Norton „Was?“
    Nexus Dealer „Genau das NICHT! Nicht auf einem öffentlichen oder öffentlich zugänglichen System!“
    Norton „Was?“
    Nexus Dealer „Bist du nur so naiv? Oder tust du so?“
    Norton „Du machst mich fertig.“
    Nexus Dealer „Ja! Den öffentlichen NodeHosts ist doch hinlänglich bekannt, was in den sogenannten Hacker Communities ausgetauscht wird. Das heißt, dass die meisten halbwegs guten NodeHosts natürlich ICM Systeme verwenden, die gefakte APIDs wieder entschlüsseln. Und die meisten der übrigen NodeHosts erkennen zumindest die Fehler in den LogFiles, die durch die Verschlüsselungen entstehen, und korrigieren diese Fehlersummen, indem sie reverse OS engineering routines verwenden oder dich abweisen. Mensch, du bist uns aufgefallen wie ein Leuchtfeuer!!!“
    Norton „Wirklich?“
    Nexus Dealer „Ja! Wenn du verschlüsselst, dann so, dass mindestens auch der NodeHost verschlüsselt wird – und zwar so, dass die Prüfsummern auch authentisch bleiben.“
    Norton „Aber …“
    Nexus Dealer „Weißt du, was dann passiert ist? Wir haben dich gehackt! Wir haben dir einen alternativen Mod aufgespielt, der dich und dein System abgekapselt hat. Epic Fail, Meister. Wie kannst du NetDiven, ohne für ausreichend Schutz auf Deinem System zu sorgen? Das war so einfach …
    Wir haben dich sogar in eine Feedbackschleife gezogen. Und das ohne große Mühe!“
    Norton „Was habt ihr? Feedback-was???“
    Nexus Dealer „Wir haben das gemacht, was ein paar Minuten später jede Sicherheitsorganisation mit dir gemacht hätte. Wir haben dich im GlobalNet gefangen genommen und haben kurzzeitig deinem Hirn glauben gemacht, dass du bewusstlos geschlagen bist. Jetzt, gerade eben schlummerst du angestöpselt an dein Notebook in deinem Versteck, während wir uns unterhalten.“
    Norton „Keine Polizei?“
    Nexus Dealer „Jetzt kapierst du langsam.“
    Norton „Und nun?“
    Nexus Dealer „Nimm das als Warnung und freundschaftlichen Schlag in die Fresse: Du hast deinen Hack mies vorbereitet. Und mit Loosern wie dir wollen wir nichts zu tun haben. Mach so einen Dreck noch mal, und wir lassen dich von der Polizei hochnehmen, so, wie wir dich hochgenommen haben. Kapiert?“
    Norton „Aber, hey!“
    Nexus Dealer „Was? Noch Fragen?“
    Norton „Ich will einer von euch sein!“
    Nexus Dealer „Dann lern erst mal Laufen.“

    Wieder durchfährt ein stechender Schmerz seinen Kopf, als Norton wieder antworten möchte. Dann wird ihm übel, als ihm der stickige Geruch von verschmorten Kabeln in die Nase steigt. Vorsichtig öffnet er seine Augen und blickt verschwommen auf den Bildschirm seines Notebooks, auf dem in Blockbuchstaben „LOOSER“ steht. Der Monitor flackert unregelmäßig, während Rauch aus den Lüftungsschlitzen aufsteigt. Dann verstummt das Notebook, als sein Innenleben kokelt und zerstört ist.
    Als sich Norton wie in seiner virtuellen Vorstellung an den Speichermodulen des Notebooks zu schaffen macht, klingelt sein PDA. Auf dem Display steht „unbekannt“.
    „Ja bitte?“
    „Mr. Porter? Wir danken ihnen für ihre Aufopferungsbereitschaft.“
    Dann ist die Verbindung unterbrochen, und die Tür zum Versteck wird aufgestoßen, als mehrere Sicherheitsleute auf den verschreckten Norton zustürmen.

    Copyright: Clem C. Schermann, Salzgitter 2009

    Nachtrag: 25. September 2011
    Für den hier verfassten Artikel von Fred aka Clem C. Schermann gelten die nachstehenden CC-Lizenz-Bestimmungen:
    Diese Inhalte von Clem Carlos Schermann steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

    #2409
    imported_mirc
    Mitglied

    Hi Master Fred

    Unauffällig sitzt der Controller in seinem Kontrollsitz

    Ich hätte es kaum treffender beschreiben können. Dennoch. Saucool. Ds ist schon fast auf dem Niveau von William Gibsons: „Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war“ (The sky above then port was the color of television, tuned to a dead channel), der den fast schon legendären Auftakt zur Neuromancer Trilogie (1984) darstellt.

    Neben diesem Satz finde ich übrigens auch Richard Morgans „Coming back from the dead can be rough“ (Altered Carbon) genial. Auch hier der Auftakt einer furiosen Trilogie.

    Ich hoffe das man sich in fünfzig Jahren (bei der Rennaissance des Pen&Paper Old School Rollenspiels) an einen ähnlich einprägsamen wie treffenden Satz aus der Einleitung zu RiftRoamers erinnert. Selbstverständlich muß sowohl der Satz als auch die dazu passende Einleitung noch aus meiner Feder entspringen, während ein Berg zerknüllten Papiers hinter meinem Schreibtisch die Fehlversuche dokumentiert. Der Satz…

    Vor mehr als einer halben Million Jahren schufen einige antike Zivilisationen – diese sind heute als Builder bekannt – ein Netzwerk aus Sternentoren, das einst die gesamte Galaxis umfasste und möglicherweise sogar Verbindungen in andere Galaxien ermöglichte. (Aus RiftRoamers: Einleitung)

    …klingt jedenfalls nicht annähernd so genial. Und…

    Es regnete. Das Heulen der Energieumformer und Pulsormotoren lag schwer über der von tiefen Furchen gezeichneten Schlammpiste. (Aus Next Colony)

    …ist noch nicht gut genug.

    Aber ich schweife ab.

    Es erinnert an ein Trägerskelett, in welches zahlreiche Kugeln und Container eingefasst sind.

    Kann es sein das hier Deine FLUST-Unit Ihren ersten Medienwirksamen Auftritt hat?

    Ganz konkret, was ich wirklich gut finde ist die möglicherweise ungewollte Redefinition bzw. Klarifikation (gibt es das Wort im Deutschen überhaupt?) der „Hyper Space Wake“ (HSW) oder des „Hyperspace Subspace Rift“ (HSR).

    Bisher haben wir in der Spielpraxis zwischen 1991 und ungefähr 2005 die Hyperraum-Verwerfung als „Hyperraumschatten“ dazu benutzt herauszufinden welchen ungefähren Kurs ein Schiff genommen hat, das in den Hyperraum eingedrungen ist. Die Idee einen Hyperraumschatten auch bei der Ankunft auszuwerten ist uns nicht gekommen da es selten gelingt einen Kurs so genau zu definieren das ein Schiff an einem bestimmten Punkt eines Sonnensystems eintrifft (ähnlich einer Hafeneinfahrt).

    Bei RIFT-Antrieben denke ich wird das nur bedingt funktionieren. Wenn der Schatten anmessbar wird, ist der HSR schon da. Aber bei Hyperraumtoren und bei Hyperraumantrieben oder allgemeiner allen Arten von Sprungantrieben sollte es diese Möglichkeit geben.

    Das ganze erinnert mich an die Beschreibungen der Cynosural Fields in Tony Gonzales „The Empyrean Age“ und damit an EVE-Online, wenn auch beim Lesen Deiner Story keine Assoziation eines visuellen Effektes bei mir aufgetreten ist.

    Da ich von Deiner Begeisterung über Hyperraumtoren weiß – ich deute hier nur an: X3, EVE 😉 – habe ich den Artikel mit einem Hyperraumtor vor meinem geistigen Auge wahrgenommen. Da diese Tore sich in RiftRoamers nur aus nächster Nähe – im Promille-Berich einer AU – anmessen lassen könnte der HSW auch auf größere Entfernung außerhalb der visuellen Auflösung gängiger Scanner eine anmessbare Signatur eines (bald) aktivierten Hyperraumtores darstellen.

    Ich gebe allerdings zu das sich das Glossar stilistisch etwa so intensiv wie die Encyclopedia Galactica aus Douglas Addams „A hitchhikers guide to the galaxy“ mit dem Thema befasst. In dem Buch lautete ein selbst im Computerspiel „Elite“ und seinen Nachfolgern gern wiederverwendeter Eintrag etwa so:
    Humanity: „harmless“; später wurde der Eintrag erweitert und überarbeitet in „mostly harmless“

    Das RiftRoamers Glossar ist nicht ganz so wortkarg, aber eine Erklärung gibt es auch dort nur im Ansatz:


    HSR
    Hyperspace-Subspace Rift (entsteht wenn ein RIFT-Antrieb in Betrieb geht)

    Hier könnte man aus Deinem Text abgeleitet hinzufügen:
    Die dabei als Nebeneffekt entstehenden gravitonischen Hyperraumenergiefelder werden im Allgemeinen als Distortionswellen oder Hyperraumverzerrung bezeichnet.


    HSW
    Hyper Space Wake = Hyperraumverzerrung

    Hyperspace
    Ein relativ zum eigenen Kontinuum übergeordnetes Kontinuum. Die Hyperspaces von Hyperraum-Antrieben, RIFT-Antrieben und Vortextoren sind unterschiedlich.

    Ich gebe zu da ist noch etwas Opimierungspotenzial vorhanden.

    Aber zurück zu Deinem Text. Ich finde es sehr gut, wie Du die Bedeutung der virtuellen Realität oder ganz allgemein der Vernetzung in den Arbeitsalltag einbindest und dabei ganz spielerisch Informationen über Simulationsgeschwindigkeiten und Fachbegriffe fallen lässt. Das mag ich sehr.

    Bei ESD habe ich während des Lesens die Bedeutung Emergency Safety Disconnect ergrübelt und dankbar festgestellt das Du die Begriffe am Ende noch einmal definierst.

    Weiter so!
    Gruß

    mirc

    #2410
    Fred_Krug
    Mitglied

    Hey, Meister.

    Freut mich, dass es Dir gefällt.

    – Dass der ankommende Rift-Sprung erkannt werden kann, habe ich durch eine Analogie zu einer Bugwelle abgeleitet.
    – Ja, FLUST ud frühere Kolonialschiffe …

    Morgen mehr. Viele Grüße
    Fred

    #2411
    Fred_Krug
    Mitglied

    Servus.

    Hier habe ich mal näher ausgeführt, wie ich mir das mkit dem Rift-Antrieb vorstelle.

    Viel Spaß!

    Fred

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