Ato-Miser 84c

von Clem Carlos Schermann

Dissonant dröhnt der Gitterboden in dem schmalen Schacht, durch den sich Jaques zwängt. Seine schweren Arbeitsstiefel mit dem groben Profil sind wie Schlagzeugschlegel, die das Fell der Trommel solide treffen. Einige Gitter liegen nur lose auf oder sind durch die Halterungsstifte nicht fest angezogen, sodass sie heftig klappern. Hin und wieder stößt Jaques mit seiner Werkzeugkiste gegen seitliche Führungsleisten und Träger, die zahlreiche Kabelbäume und Leitungen an der Wand halten. Dabei rasselt das lose Werkzeug in der Kiste. Jaques selbst pfeift ein wirre Mischung verschiedener Melodien, die er im Verlauf seiner vielen Jahre aus verschiedenen Unterhaltungsmedien aufgeschnappt hat, und schleppt seinen opulenten Körper und das Werkzeug durch die engen Korridore, die wie ein Klaustrophobie auslösendes Wirrwarr und Netzwerk zwischen den Maschinenräumen und Versorgungslagern des Schiffs hindurchführen. Dampfen und Zischen verschiedener Ventile, das Stampfen, Summen und Surren unterschiedlicher Generatoren und Stabilisatoren und schließlich das bizarre Klicken und Klacken grober Elektroniksysteme tragen diese Soli aus Stiefelrhythmus, Werkzeugkastenscheppern und Pfeifen wie ein großes Konzert, das ohrenbetäubend ist und alle Dissonanzen harmonisch verschluckt.

Vereinzelte Lichter beleuchten die verschiedenen Aufgänge und Abzweigungen. Dampf, der aus einzelnen Ventilen ausgestoßen wird, wirkt wie ein Lichtdiffuser, der das Licht gleichermaßen verstreut und verschluckt. Verschiedene Displays und Tastaturen, die an den unwahrscheinlichsten Stellen in den Wänden, an Konsolen oder einzelnen Kabelbäumen angebracht sind und Zeugnis über die über Jahrzehnte immer weiterentwickelten Technologien ablegen, spenden noch weiteres buntes, blinkendes und glitzerndes Licht. Vor allem dient eine Stirnbandlampe, die seitlich über dem linken Ohr von Jaques fixiert ist, als seine hauptsächliche Lichtquelle, während er sich durch die Korridore zwängt. Ihr Lichtkegel hat eine großzügige Ausdehnung und spendet ein schwaches Licht, das nur auf den ersten Metern zur groben Orientierung hilft.
Schließlich erreicht Jaques ein Schott, das in den Boden eingelassen ist und in die Tiefe führt. Seitlich an der Wand befindet sich eine kleine Konsole. Unbeirrt setzt Jaques mit seinem Pfeifen fort, während er aus den Tiefen seines Overalls eine Identifikationskarte zückt. Sie ist mit einem federnden Bändchen an einem Halsband gesichert. Die Karte führt er in die Konsole ein, bis sie arretiert; eine Klappe springt auf und zeigt ein Display, unter welchem eine Tastatur für eine PIN-Eingabe hinterlegt ist. Jaques stutzt kurz. „Sacre … Wie war noch …?“ Er murmelt etwas, während sich seine schwammigen Gesichtszüge dabei kaum ändern. Dann setzt er den Werkzeugkasten ab und kramt in einer tiefen Hosentasche. Schließlich zieht er einen kleinen Kommunikator hervor. „Den? Hörst Du mich? Den??“
Aus dem kleinen Gerät erklingt ein leises Rausches und Knacken. Auf dem Display sieht er kaum Ausschlag des Funksignals, weshalb Jaques seine Position etwas ändert – gerade so weit, dass das Federband zur Identifikationskarte nicht reißt und sich ein wenig Funksignal andeutet. „Den?“
Stark verzerrt und rauschend erhält er Antwort von einer jungen Frau. „Ja?“
„Wie war der Code?“
„174.“
„Wie? 1, 7 …?“
„1. 7. 4.“
Jaques versenkt den Kommunikator wieder in der Hosentasche und gibt den Code ein. Nach einem kurzen Moment löst sich die Arretierung seiner Karte, und gezogen von dem federnden Bändchen schnellt sie gegen seinen Bauch. Jetzt leuchtet ein kleines weißes Lämpchen an dem Schott auf, als auch an diesem eine unauffällige Klappe aufgesprungen ist. Schnaufend beugt sich Jaques runter, um die Öffnungselektronik zu betätigen. Er pfeift wieder, als unter dem Schott schabende und mechanisch mahlende Geräusche der Verriegelungsmechanik zu hören sind. Mit einem satten ‚Klang‘ springt das Schott ein Viertel Inch in die Höhe. Nun greift Jaques unter eine Kante und zieht es mühsam auf. Darunter öffnet sich ein enger Schacht mit einer schmalen Rohrleiter. Jaques steigt zunächst ohne die Werkzeugkiste hüfttief in diesen Schacht. Die Werkzeugkiste zieht er nun an den Rand des Schotts, bevor er tiefer hinuntersteigt. Als er vollständig in dem Schacht verschwunden ist, stoppt er sein Pfeifen kurz und greift nach oben, um an die Werkzeugkiste zu gelangen.
Plötzlich bebt das Schiff, und durch den Impuls kippt die Werkzeugkiste Jaques entgegen. Rappelnd und donnernd fällt der schwere Koffer auf Jaques, der völlig überrascht unter der Kiste zusammenbricht. „Merde!“
Wütend und von Schmerzen gepeinigt schnauft und ächzt Jaques, und das Licht seiner Stirnbandlampe flackert. „Oh, non!“ Dann wird es dunkel.
Wieder wird das Schiff erschüttert. Und mit einem satten und lauten Knall fällt das Schott zu. Die Schließautomatik surrt und zischt kurz, als sie sich verriegelt. Nach diesem letzten Solo des Schotts erklingen nur die typischen Geräusche der Ventile, Konsolen und Generatoren in den Gängen des Maschinendecks.Anders als bei den Schiffen der zivilen Raumfahrt ist der Bug dieses Schiffes schlank und spitz zulaufend. Zahlreiche kleinere, gut abgeschirmte und gepanzerte Sensorphalanxen stechen wie die Borsten eines Pinsels nach vorn aus der Spitze heraus, die ober- und unterhalb der Bugspitze von flach aufliegenden Autokanonen gesäumt werden. Hinter dem Bug bildet ein Endo-Skelett das Grundgerüst dieses Schiffes, das wie horizontal verlaufende Fischgräten den Hauptteil des Schiffes segmentiert. In Acht einzelnen Buchten zwischen den Gräten sind spezielle Container-Module verankert, die unterschiedlichen militärischen Aufgaben dienen. Gut erkennbar sind die zwei mittschiffs verankerten Container, die jeweils mit gerade für diese Schiffsgröße drei beeindruckenden Geschütztürmen zum Rundumschutz ausgestattet sind; zwei weitere Container haben verräterische Verarbeitungen der außenliegenden Wandungen mit Landungslichtern, sodass diese Jägerhangar leicht von den übrigen Containern unterscheidbar sind. Die übrigen vier Container sind einheitlich gestaltet. Allen acht Containern sowie dem Endo-Skelett ist gemein, dass sie solide gepanzert und gesichert sind, um Piraten und Schmugglern eine deutliche Warnung zu sein. Verglichen damit ist die unscheinbare und wichtigste Einheit das Heck, in welchem die klobige Antriebstechnologie verbaut ist und aus der wie ein mahnend erhobener Zeigefinder die Brücke hervorsticht; die Brücke, die Antriebsdiffusoren und die Unterseite sind von ehrfurchtgebietenden Geschützbatterien umgeben. Auf dem Rumpf des Hecks ist in großen weißen Lettern der Name des Schiffs aufgemalt: Ato-Miser 84c.
Schiffe wie dieses sind typische Fregatten, die auf dem Monolith-Schiffsrumpf basieren. Ihre modularen Komponenten, die geringe Größe des Schiffes und der kostengünstige Unterhalt erlauben es, eine vielseitige und hochgradig flexible Flotte auf diesem Schiffstyp aufbauend zu unterhalten. Die „84c“ sticht damit weder besonders hervor, noch fällt sie durch andere Raster; ausgestattet ist sie wie jede andere Fregatte, die beliebig einsetzbar sein muss, um kurzfristig unter unterschiedlichsten Umständen Aufgaben der Aufklärung und Verfolgung durchführen zu können.
Die „84c“ gleitet langsam durch den luftleeren Raum und nähert sich ihren Zielkoordinaten. Lediglich die notwendige Außenbeleuchtung ist eingeschaltet. Die Schotts zu den Jägercontainern sind verschlossen.
XO Lomonosoij behält die Projektion des Hauptmonitors im Auge, während die Brückenbesatzung ihre Befehle befolgt. Angestrengt werden Monitore betrachtet, Scans durchgeführt, der Funk überwacht und das Schiff auf Kurs gebracht. Leise spricht der XO in ein kleines Headset, dessen Sprechkanäle er über einen Terminal steuert. Je nachdem, welchen Kanal er wählt, reagieren einzelne Crewmitglieder und überspielen ihm Informationen auf einen zusätzlichen Projektor; dadurch bleibt die Brückenkommunikation sehr leise und im jeweiligen Zwiegespräch vertraulich.
Nach einiger Zeit richtet er seine Aufmerksam nahezu vollständig auf den Steuermann und den Def-O. Während der Steuermann die „84c“ in ein riesiges Asteroidenfeld hineinsteuert, kontrolliert der Def-O die Schildsysteme und sowie die Ausweichschub-Systeme, um unmittelbare Kollisionen zu vermeiden. Immer wieder blitzen auf dem Hauptmonitor, der mit den optischen Systemen des Schiffs verknüpft ist und einen Rundumblick um das Schiff herum überträgt, die Schilde auf, wenn kleinere und mittelgroße Felsen auf die Schilde prallen und die Deflektionen induzieren. Elegant manövriert das Schiff um größere Asteroiden herum, indem der Def-O die „84c“ gefühlvoll um die Asteroiden „schraubt“, während der Steuermann über Schub und Trägheit des Schiffs die generelle Flugrichtung kontrolliert.
Plötzlich flackert auf dem Projektor des XOs eine Anzeige des zweiten Steuermanns auf: „Sir. Wir haben die Koordinaten erreicht.“
„Aye. Steuermann – Maschinen Stopp. Ltd. Verma, haben sie die Koordinaten und Informationen geprüft?“ Skeptisch betrachtet der XO die Daten auf dem Hauptbildschirm und auf seinem Projektor.
„Ja, Sir. Wir befinden uns an den Koordinaten, die uns mitgeteilt worden sind. Die Kartenmaterialien sind … Nun …“
„Ja, Ltd. Verma?“
„Sir, die Kartenmaterialien müssen veraltet sein. Jedenfalls dürfte dieses Asteroidenfeld hier nicht sein. Also, schon ein …“
„Ja, was denn nun?“
„Laut den Karten müsste hier ein Asteroidenfeld sein, welches bereits abschließend kartographiert war. Das Radar hat aber nur etwa 17% Kongruenz festgestellt. Anders, als es in den Datenbanken hinterlegt ist, müssen sich die Asteroiden auf unterschiedlichen Revolutionen um die Sonne befinden, weshalb diese Unterschiede …“
„Übermitteln sie die Messergebnisse an den Wissenschaftsoffizier. Der soll sie auswerten.“
„Ja, Sir.“
„Ltd. Verma – scannen sie nach Telemetrie und prüfen sie mit Funk nach Überlebenssignalen; Steuermann Danton – analysieren Sie das System auf Kollisionsrouten, Schiffssignaturen, FTL- und STL-Schatten; Ltd. Yonkers, bereiten sie eine Kommunikationsdrone der Sicherheitsstufe Y3 vor.“ XO Lomonosoij gibt noch einzelne weitere Befehle, bevor er die Brücke verlässt, um den Captain zu informieren. Die Brückencrew verfällt in reges Treiben.„Treten sie ein!“ Der Türfunk verzerrt die Stimme auf brutale Weise, bevor sich nur einen Augenblick später das Schott, angetrieben von schwerfälliger und veralteter Hydraulik, aufschiebt. XO Lomonosoij tritt in die Kajüte des Captains.
Der alte Seebär liegt entspannt in seiner Koje. Auf seinem Nachttisch werden eine Flasche und mehrere Gläser in Sicherungshalterungen festgehalten. Ein Glas mit einer klaren Flüssigkeit schwenkt er mit seiner rechten Hand, während er in seiner linken Hand ein Lesegerät hält. Der alte Mann schaut auf und winkt den XO zu sich. „Möchten sie was trinken?“
Der XO nickt kurz und nimmt sich einen Stuhl von einer Sitzgruppe, den er zur Koje stellt. Der Captain schenkt ihm ein wenig ein. „Berichten sie!“
„Captain, wir sind am Ziel. Aber das alles ist sehr merkwürdig. Wir haben festgestellt, dass das Kartenmaterial ungenau und veraltet ist. Wir sind zwar an den Zielkoordinaten, allerdings ist die Struktur der Asteroiden sehr anders als erwartet. Aktuell suchen wir nach Spuren und Hinweisen nach dem verlorenen Schiff.“
Cetadeani?“
„Weder bei der Ankunft im System mit einem Oberflächenscan noch während des mehrstündigen Flüsterflugs zu den Zielkoordinaten. Nichts Verräterisches laut Sensormessungen.“
„Piraten? Schmuggler?“
Der XO zuckt mit den Schultern. „Im Augenblick sieht das wieder nur wie ein Unfall aus.“
Der Captain nickt einmal kurz. „Möglich. Seit den Verhandlungen um dieses System und die benachbarten Regionen entwickeln die Großkonzerne eine wahre Goldgräberstimmung. Ohne die Systeme zu kennen. Vielleicht ein Unfall, vielleicht locken sie aber auch Unrat an. Dafür sind wir hier.“
„Ja, Sir.“ Der XO nippt kurz an seinem Glas. „Was ich nicht verstehe … Der zweite Steuermann meinte, die Karten würden veraltet sein. Aber … sie sind datiert auf 2949.“
Der Captain legt das Lesegerät zur Seite und schaut den XO ausdruckslos an.
„Es ist so, als wären wir in ein neues System geflogen. Nur wenig Übereinstimmung mit den Karten.“
„Ich kläre, ob uns falsche Koordinaten übermittelt worden sind.“
„Sir, dafür habe ich eine Kommunikationsdrohne beauftragt.“
„Sehr gut. Lomo, legen sie sich schlafen. Sie haben eine lange Schicht hinter sich gebracht. Ich übernehme ab hier.“
Mit diesen Worten stürzt der XO den Inhalt des Glases in einem Zug runter. Dann erhebt er sich und greint ein „Aye!“, bevor er den Raum verlässt.
Der alte Seebär steht schließlich auf und legt seine Uniform an. Als er sich seine Mütze vor dem Spiegel aufsetzen will, wird das Schiff von einem heftigen Beben erschüttert. Reflexartig stützt sich der Captain an der Wand ab. Dann folgt ein zweites Beben, und er springt zum Bordfunk. Alarmiert ruft er: „Status?“Sgt. Mouton hat in dem kleinstmöglichen Winkel der Brücke ihre eigene Station zur Überwachung der Lebenserhaltungs- und Antriebssysteme. Während sie die Daten des Schiffs im Auge behält, erhält sie eine Funkanfrage von Jaques: „Den?“
„Ja?“
„Wie war der Code?“ Die Funkübertragung rauscht und knistert sehr stark.
Sie verdreht kurz die Augen. „174.“
„Wie? 1, 7 …?“
„1. 7. 4.“
Mit einem Knacken endet der Funk. ‚So ein Idiot. Ich hoffe, er kann die Kühlung stabilisieren, ohne dass wir die Schildsysteme herunterfahren müssen.‘ Sie beobachtet die Anzeigen weiter und beachtet vor allem die für das NCS, das Stickstoffzirkulationssystem. Bei der Anzeige, die die stärksten Fluktuationen in den letzten Stunden registriert hat, leuchtet eine Warnung auf, dass das System einen externen Zugriff verzeichnet. Eine Sicherheitsabfrage bestätigt sie mit der Eingabe des Codes ‚174‘. Dann wird die Anzeige leicht grünlich hervorgehoben.
Sie hört, wie aus dem vorderen Bereich der Brücke Unruhe aufkommt. Irgendjemand ruft ein ‚Vorsicht‘, bevor es plötzlich hektisch und lebhaft wird. Denise erhebt sich aus ihrem Sitz, um den Grund für die Unruhe mitzubekommen. Allerdings sind verschiedene Terminals und Geländer im Weg; und als dann noch mehrere Brückenmitglieder durch ihr Blickfeld laufen, kann sie nichts erkennen. Es gibt einen grellen Lichtblitz. Panische und gellende Schreie füllen die Brücke. Eine gewaltige Erschütterung erfasst das Schiff. Crewmitglieder werden von ihren Stationen weggeschleudert; nur wenige haben wie Denise das Glück, direkt in einen Sitz zu fallen. Einzelne Terminals reißen aus der Verankerung. Funken sprühen hinter einzelnen Verkleidungen. Die Notbeleuchtung springt an und hüllt alles in ein unheilvolles, rotorangenes Licht. Und ehe Denise begreift, was geschehen ist, ist alles für kurze Zeit erschreckend still. Dann wird das Schiff von einer zweiten schweren Erschütterung geschüttelt. Weitere Terminals sprühen funken und ein Feuer bricht an dem Stand des XOs aus.
„Status?“ Über Funk brüllt der Captain und löst so die vom Schreck entstandene Lähmung der Brückenbesatzung auf, sodass wieder reges Treiben ausbricht. Ltd. Verma reagiert als erstes und antwortet dem Captain. Währenddessen ruft jemand schmerzverzerrt nach einem Sanitäter, während wieder jemand anderes das Feuer am XO Stand mit einem Handfeuerlöscher bekämpft.
Denise hat sich von ihrem ersten Schock erholt. Unbewusst greift sie nach einem IDCP, einem independent damage computer protocol, um die Schadensanalyse für ihre Systeme vorzunehmen. Der kleine Terminal startet, nachdem sie sich mit ihrem persönlichen Überbrückungscode legitimiert hat. Aus dem rückwärtigen Teil entnimmt sie ein Kabel, welches sie in einer zentralen Anschlussstelle ihres Arbeitsplatzes steckt. Sofort werden alle Anzeigen ihrer Station außer Funktion gesetzt, und sie kann die Schadensanalysen über das IDCP betreiben. Zu ihrer Erleichterung stellt sie schnell fest, dass alle lebenserhaltenden Systeme sowie die Antriebssysteme ohne nennenswerten Schaden sind. Einzig die Fluktuation in den Kühlsystemen ist weiterhin vorhanden. Als sie gerade an Jaques denken möchte, erscheint auf ihrem Display eine einkommende Nachricht des Captains: „Report?“
Sie schüttelt sich kurz: „Sir, alle Systeme wie vor … vor … Sir, hatten wir einen Angriff?“
Das Gesicht des Captains verschwindet wieder. Damit führt Denise einen Protokollierungsbefehl aus, der die Messergebnis an die zentrale Schiffsdatenbank überspielt. Während der Überspielung gibt sie die Standardkontrollen für die Technikstation wieder frei. Nachdem die Übermittlung abgeschlossen ist, meldet sie sich am IDCP wieder ab und verstaut das System an seinem Platz.
Ein Pfiff erklingt, und ein Offizier ruft: „Captain auf der Brücke!“ Denise springt auf.
Der Captain und hinter ihm der XO, der sich mit einem medizinischen Tuch eine Platzwunde am Kopf zuhält, betreten die Brücke und bellen Befehle. Einige Befehle verlassen die Brücke und richten sich an weitere Crew-Mitglieder, die auf dem Schiff verteilt sind.Die Schmerzen sind unerträglich. Kalt und klebrig fühlt sich das Blut an seinem Nacken an, das von einer Platzwunde am Hinterkopf geflossen ist. Sein rechter Arm ist taub. Als er ihn bewegen möchte, durchfährt ihn ein stechender Schmerz, und er ruft laut aus. Seine Stimme klingt gedämpft und laut in dem Dunkel. Vorsichtig tastet er mit seinem linken Arm um sich und sucht etwas, was ihm Licht spenden kann. Dabei greift er in ein paar Glassplitter, in deren Nähe auch das zylindrische Gehäuse seiner Stirnbandlampe liegt. „Merde.“
Dann fasst er eine Sprosse einer Leiter. Mühsam zieht er sich an ihr hoch, bis er wieder auf wackligen Beinen steht. Nun holt er das kleine Funkgerät hervor. Erleichtert stellt er an dem Rauschen des Lautsprechers fest, dass es funktioniert; auch kann er in dem Miniaturdisplay Einstellungen zu dem Funkkanal vornehmen. Aber das Antennensymbol zeigt ihm, dass er kein Signal erfasst. „Mon dieu.“
Er hockt sich wieder hin und tastet nach dem schweren Werkzeugkoffer. Als er ihn zu fassen bekommt, öffnet er den Koffer und sucht darin nach hilfreichen Gegenständen. Und tatsächlich findet er eine kleine Notlampe. Er schaltet sie ein und beleuchtet nun seinen Platz.
Er befindet sich in einem Wartungsschacht. Neben ihm führt ein weiteres Schott, das mit verschiedenen Warnhinweisen versehen ist, tiefer in den Maschinenbereich. Über ihm befindet sich das Schott, durch das er gestiegen und die Werkzeugkiste gefallen war und das nun erkennbar verriegelt ist.
Wieder setzt er sich hin und betrachtet seinen rechten Arm. Die Hand ist blau angelaufen. Der Ärmel ist unterhalb des Ellenbogens dunkel verfärbt. Dort ist auch der stechende und atemberaubende Schmerz. Ihm wird bewusst, dass der Arm gebrochen ist. Jaques weiß, dass man zum Entriegeln und Öffnen der oberen Luke zwei gesunde Arme braucht, weshalb es ihm dämmert, dass er nun in diesem Schacht gefangen ist. „Sacre …!“
Er lässt die Erkenntnisse sacken. Ihm ist speiübel. Ebenso ist ihm nach Schreien. Gleichzeitig weiß er, dass ihn hier unten niemand hören würde. Deshalb pfeift er ein melancholisches Lied.
Nach einiger Zeit wundert er sich, ob nach ihm gesucht wird. ‚Was, wenn nicht?‘ Ihm kommt große Angst. ‚Was kann ich nur tun?‘ Er liest sich die Warnhinweise auf dem Schott unter ihm durch, obwohl er ihren Inhalt kennt. Er liest sie immer und immer wieder und pfeift dazu seine Melodien. Dabei wird ihm im Wechsel heiß und kalt. Immer verzweifelter hofft er, in den Warnungen und Hinweisen einen versteckten Hinweis auf eine Lösung zu finden.
Die Hinweise beschreiben, dass dieses untere Schott zu den Leitungssystemen für den Flüssigstickstoffkreislauf führt; die Warnungen handeln davon, dass eine Störung dieser Systeme zu einem kurzfristigen Ausfall unterschiedlicher lebenswichtiger Systeme des Schiffes führen kann. Das Betreten ist nur für autorisiertes Personal gestattet, da Lebensgefahr aufgrund der Gefahren von austretendem Flüssigstickstoff oder anderer Kühlmittel bei unsachgemäßem Umgang mit den Anlagen besteht. Außerdem befinden sich in dem Bereich verschiedene Hochspannungsanlagen.
Während Jaques pfeift, öffnet er ein kleines Tastaturfeld, über das er die Entriegelung des Schotts durchführen kann. Dann gibt er einen Code ein
Nichts passiert.

Während Denise ihre Befehle befolgt, fällt ihr die Warnleuchte für das NCS zunächst nicht auf. Dann aber, als sie die Koordination für einen Bergungsroboter einleiten will, erkennt sie das Blinken als Hinweis auf einen manuellen Zugriff auf das NCS, was sie zögern lässt. Unverzüglich öffnet sie einen Kommunikationskanal zum XO: „Sir! Chief Juspin hat sich gemeldet!“
„Das wurde aber auch Zeit! Stellen sie ihn durch!“
„Sir, das geht nicht.“
„Was?“
„Er hat einen Autorisierungscode für den Zutritt zum NCS angefordert! Soll ich bestätigen?“
„Bestätigen sie den Zugang! Ich hoffe, er bringt das schnell in Ordnung!“
Denise bestätigt den Code, den Jaques eingegeben hat.

Während er auf das Display schaut, wird ihm bewusst, wie sehr er schwitzt und wie ängstlich er ist. Dann flackert die Anzeige kurz auf, und das Schott regt sich. Anders als das erste Schott wird dieses hier über eine Automatik ohne weiteres Zutun geöffnet. Dabei klappt das Schott langsam in einem Winkel von etwa 50° auf, wodurch man in das Wartungsnetz des NCS gelangen kann. Während sich das Schott öffnet, strömt Jaques eine bittere Kälte entgegen, die ihn unweigerlich zittern lässt. Ihm wird jetzt erst klar, dass er sich möglicherweise in größter Lebensgefahr befindet. Zwar weiß er, dass es typischerweise sehr kalt in diesem Abschnitt ist; aber so eine Kälte kennt er nicht. Unweigerlich steigt die Befürchtung in ihm auf, dass möglicherweise ein Teil der Kühldämmung beschädigt ist; im schlimmsten Fall könnte es auch bedeuten, dass eine Stickstoffleitung beschädigt sein könnte.
Unter großen Qualen zwängt er sich durch die Öffnung und gelangt so in die langen, schlanken Korridore. Anders als die normalen Wartungsschächte sind hier nicht endlose Kabelbäume und Rohrsysteme auf engstem Raum entlang der Wände, Decken und unter Fußbodengittern verlegt; hier werden gewaltige Flexirohrsysteme magnetisch gelagert, um nicht durch Verformungen im Falle einer Kollision oder anderer Beschädigungen des Schiffes zu bersten. Entsprechend großzügig ist der Platz um das Leitungssystem. Alle Oberflächen sind von einer hauchdünnen Eisschicht überzogen, da in diesem Bereich spezielle Klima- und Enteisungssysteme so wenig Feuchtigkeit wie nur möglich zulassen. Die Wartungskanäle sind hell erleuchtet, um den Technikern die Suche nach Schäden zu vereinfachen. Dieses Schachtsystem ist damit in jeder Hinsicht anders als die üblichen Wartungs- und Versorgungswege, die warm, schwül, überfüllt und irgendwie chaotisch wirken. ‚Mon dieu. Ist das der Himmel?‘
Dann schleppt sich Jaques den Wartungskorridor in die Richtung entlang, um zu einem der vier redundanten Notkontrollräume zu gelangen, über die Teile oder das gesamte Kühlsystem kontrolliert werden können. Dort wird Jaques auch Bordfunkmittel finden. Schon nach wenigen Schritten bemerkt er aber, wie der Schweiß auf seiner Haut eine Eisschicht bildet. Die Kälte, die er einatmet, beißt in seinen Atemwegen so schmerzhaft, dass er stöhnt. Mühsam kämpft er sich Schritt für Schritt durch den Korridor. Er versucht zu pfeifen; aber schon nach wenigen Yards sind seine Lippen durch die Kälte so unbeweglich, dass er keinen Ton von sich geben kann.

Denise behält die Anzeigen im Auge. Ihr kommt ein komisches Gefühl. ‚Jaques nimmt zwar einiges auf die leichter Schulter. Aber Fehler? Warum schließt er das Schott nicht wieder?‘ Sie stellt den Funk zum XO wieder her: „Sir. Da stimmt was nicht. Der Chief …“
„Was ist mit dem Chief.“
„Er hat das Schott zum NCS entgegen des Wartungsprotokolls offengelassen.“
„Können sie es nicht fernsteuern und schließen?“
„Nein, Sir. Aus Sicherheitsgründen wurde ein automatisches Verschließen des unteren Schotts nicht vorgesehen.“
„Wie bitte?“
„Sir. Wenn ein Techniker in den Bereich vordringt, muss er selbsttätig das Schott schließen, um nicht automatisch vom System eingesperrt zu werden.“
„Ich verstehe nicht. Ich sehe nicht, was das Problem ist. Weitermachen!“
„Aber Sir …“
„Weitermachen!“ Damit unterbricht der XO den Kontakt.
Denise hat keine Wahl. Sie koordiniert über Bordfunk die weiteren Techniker, die bei der Bergung und Rettung der Module „Batterie Steuerbord“ und „Hangar Steuerbord“ einerseits sowie den Reparaturen an den Funk- und Sensorstationen am Bug beschäftigt sind. Dabei behält sie die ganze Zeit ein Auge auf dem NCS.

Die betäubenden Schmerzen und die klirrende Kälte rauben Jaques jede Kraft. Nur mühselig kommt er voran. Aufgrund der Anstrengung muss er sich einmal sogar übergeben, was in ihm blanke Verzweiflung hervorruft. Ihm kommen Tränen und er beginnt zu heulen. Obwohl die Kälte die Schmerzen lindert, verliert er nahezu jedes Gefühl für seine Füße und seine Hände. Sein Atem ist unheimlich schwach, und er hat das Gefühl, dass ihn jede Kraft verlässt. Mutlos schaut er den Korridor in beide Richtungen entlang und fragt sich, welchen Sinn es noch haben könnte, weiterzugehen. ‚Und zurückgehen? Wie weit bin ich denn …? JAQUES! Geh weiter, Du verdammter Hornochse!‘
Jeds Zeitgefühl ist verloren gegangen. Er setzt stetig, manchmal etwas zögerlich, dann wieder etwas forsch einen Fuß vor den anderen. Sein gesamter Körper zittert immer intensiver, je tiefer die Kälte in ihn eindringt und je intensiver sie auf ihn einwirkt. Das Reiben der linken Hand am mittlerweile mit Eis verkrusteten Bauch oder Beinen und im Gesicht bringt keine Linderung; im Gegenteil verursacht das zusätzliche Schmerzen.
Dann sieht er eine Sicherheitstür, als er sich abermals aufzugeben droht. Er stolpert weiter durch den Korridor und stützt sich immer wieder haltsuchend an der glatten Wand ab, bis er an der Tür ankommt. Mit seinen tauben Fingern wischt er über die Oberfläche, um die Klappe zu finden, hinter der die Verschlusselektronik geschützt liegt. Eis hat sich um seine Augen herum gebildet. Und ihm kommt der Eindruck, dass es mit jedem Blinzeln mehr Eis wird. Jaques hat große Mühen, überhaupt noch irgendetwas zu erkennen. Dann bleiben die Finger seiner linken Hand an einem kleinen Widerstand hängen. Überglücklich tastet er die Konturen ab, und es gelingt ihm, die kleine Klappe zu öffnen. Dahinter sieht er den Schlitz, in den er seine Identifikationskarte einführen kann.
Und schließlich schafft er es, in den kleinen Raum einzudringen, der aufgrund der Schutzvorrichtungen der Sicherheitstür leicht temperiert ist. Sofort schießt das Blut wieder in die erfrorenen, äußeren Hautpartien, was einen regelrechten Sturm des Kribbelns und Brennens verursacht; aber auch die Schmerzen in dem rechten Arm kehren schlagartig zurück. Jaques stöhnt gleichermaßen vor Schmerzen und Freuden.
Erleichtert schlägt er die Tür hinter sich zu. Eine Sensorik des Raumes registriert seine Körperwärme erst nach einem kurzen Moment, und die Beleuchtung im Raum springt an. In diesem Raum befinden sich mehrere Terminals. Hastig stolpert er dort hin und startet die Anlagen, die nach wenigen Sekunden betriebsbereit sind. Er öffnet einen Kommunikationskanal zu Denise. Und als ihr Gesicht im Display auftaucht, lacht er vor Freude tränenreich auf. Denise, die zunächst irritiert ist, ist dann völlig entsetzt: „Jaques? Jaques! Alles OK?“
Jaques will sprechen; aber die Kälte hat seine Lippen und Gesichtsmuskulatur völlig taub werden lassen; die Laute, die er von sich gibt, sind nicht mehr als stöhnendes Grunzen. Seine Freude schlägt umgehend in schockierte Verbitterung um.
„Jaques? Alles OK?“ Denise ärgert sich, als sie das fragt; denn die Videoübermittlung sagt alles. „Ich schicke ein Sani-Team los! Bleib da!“
Jaques starrt auf den Bildschirm und ist völlig perplex und hilflos.

Statt den XO zu informieren, wendet sich Denise direkt an die Medizinstation: „Wir haben einen Notfall. Zirkulationskontrollraum drei. Dort befindet sich Chief Juspin. Er ist …“
„Sorry, Sgt. Alle Sanis sind bei der Bergung. Wir haben niemand, der frei ist.“
„Aber … Aber …“
„Wir können nichts tun. Out.“
Denise wird aschfahl. Sie weiß, dass der Sanitäter Recht hat. Sie springt von ihrer Station auf und läuft zum Terminal des XOs, der zahlreiche Befehle weitergibt und Informationen aufnimmt. Neben dem XO steht der Captain, der alles aufmerksam verfolgt und gelegentlich in die Entscheidungen eingreift. Denise salutiert, als der Captain und der XO sie sehen und kurz innehalten. „Bitte um Erlaubnis zu sprechen.“
Sie bemerkt, wie der XO seine Autorität ausspielen will, aber der Captain kommt ihm zuvor: „Sprechen sie!“
„Sir, Chief Juspin ist schwer verletzt. Er braucht medizinische Versorgung. Umgehend.“
„Sgt. Mouton. Sie wissen, dass die Sanitäter vollständig durch die Bergung gebunden sind.“
„Ja, Sir. Aber der Chief ist der einzige, der das Kühlsystem in Ordnung bringen kann. Ohne medizinische Versorgung wird es nicht nur ihm schlecht gehen.“ Erwartungsvoll schaut sie ihn an.
Der Captain überlegt über diese Informationen. „Und sie?“
„Sir?“
„Können sie das Kühlsystem wieder einsatzbereit machen?“
„Sir, ich …“
„Ja oder nein.“
„Nein, Sir.“ Denise verliert ihren Mut.
„Wie jedes Mitglied der Crew sind sie in die Erste-Hilfe-Maßnahmen eingewiesen?“
„Sir, ich … Ja, Sir.“
„XO, können wir vorerst auf den Sgt. verzichten?“
XO Lomonosoij schaut den Captain überrascht an. „Nun, äh … Für kurze Zeit, ja. Das ginge.“
„Sie haben den XO gehört. Was hält sie noch hier auf der Brücke? Suchen sie den Chief auf, versorgen sie ihn und helfen sie ihm, das Kühlsystem zu stabilisieren.“
Denise möchte sofort loslaufen; aber sie weiß, dass sie allein nicht in das Kühlsystem vordringen kann, weswegen sie vor dem Captain wie angewurzelt stehenbleibt.
„Gibt’s noch was, Sergeant?“
„Captain … Der Chief ist in der NCS. Dort kommt man nur rein, wenn an den Zugängen einerseits und andererseits von meiner Technikstation die entsprechenden Zugangscodes eingegeben werden. Außer mir und dem Chief hat niemand diese Codes.“
„Das heißt, sie können ihm nicht helfen?“
„Sir, ich … ich weiß, dass ich …“
XO Lomonosoij zuckt mit seinen Augen, schaut sich kurz um und stellt alle Kommunikationskanäle auf stumm: „Captain, was der Sgt. nicht aussprechen kann, weil es ihm untersagt ist, so eine Bitte zu äußern, ist, dass der Sgt. nur dann alleine ohne die technische Station der Brücke in das System vordringen kann, wenn der Sgt. den Mastercode erhält und mit dem IDCP einsetzt.“ Denise ist erleichtert, dass nicht sie diesen Hinweis geben musste. Sie ist erstaunt, wie offen der XO das anspricht. Er fährt fort: „Wie sie wissen, Captain, ist dieser Code von höchster Geheimhaltungsstufe. Nur sie und ich dürfen den Code kennen. Und sie wissen, dass nach der Doktrin der Admiralität …“
Der Captain fällt ihm ins Wort. „Sgt. Mouton. Sie haben den XO gehört. Aufgrund der FSA Doktrin der Admiralität von 2884 dürfen der XO und ich sie nicht über den Mastercode 77814 informieren, da wir und sie die Sicherheit unserer Flotte aufs Spiel setzen, wenn sie als rangniedriges Mitglied der Mannschaft mit dem Mastercode 77814 Zuständigkeiten erhalten, die ihnen nicht zustehen.“
Die Kinnlade des XO fällt für den Bruchteil einer Sekunde, bis er die Fassung wiedergewinnt und den Sgt. Ansieht; so ein schnelles Mitspielen des Captains hatte auch er nicht erwartet: „Sie haben den Captain gehört. Nun, sie sehen übermüdet aus. Ich entlasse sie fürs Erste von der Brücke zur Erholung, Sergeant. Und bei der Gelegenheit nehmen sie das IDCP zur technischen Überprüfung mit!“ Der XO und der Captain wechseln einen kurzen Blick und nicken sich kaum merklich zu.
Denise steht wie angewurzelt vor den zwei Offizieren. „Worauf warten sie noch?“, wird sie vom Captain angefahren. Daraufhin salutiert sie, eilt zu ihrer Station, um das IDCP an sich zu nehmen. und hastet von der Brücke. Als sie die Brücke verlassen hat, zieht sie ein kleines Datengerät und gibt dort die Zahl ein – 77814.

Als Jaques seine Augen öffnet, blickt er an die metallene Decke der Medizinstation. Er liegt in einem Bett, und unzählige Schläuche und Bandagen hängen an ihm dran. In der Station sind viele weitere Betten, zum Teil improvisiert, aufgestellt. Alle Patienten sind für den Fall, dass die künstliche Gravitation versagen würde, mit gepolsterten Ringen über der Brust, der Hüfte und den Sprunggelenken an den Füßen gesichert. Es riecht nach Blut, Krankheit und Desinfektionsmittel.
Eine gewisse Taubheit liegt auf Jaques. Er kann sich nur noch vage an das Gesicht von Denise erinnern. Und an sehr viel Eis. Und Schmerzen, die von einer unerträglichen Müdigkeit begleitet waren. Langsam dreht er seinen Kopf. Dabei fällt sein Blick auf einen bärigen Mann, der auf einem Stuhl neben seinem Bett ein Nickerchen hält. Jaques erkennt die Abzeichen des Captains an der Uniform. ‚Ich bin im Himmel … Das also ist es …‘
Er hört, wie jemand näher kommt. Mit zügigen Schritten kommt der Stationsarzt direkt an sein Bett. In seiner Hand hält er ein Datengerät, das er aufmerksam mustert. Am Bett legt er das Gerät zur Seite und fühlt auf altmodische Weise den Puls an der linken Hand und am Hals von Jaques. „Chief. Wie ich sehe, sind sie wach.“
Der Arzt gibt sich keine Mühe, besonders leise oder vorsichtig zu sprechen. Ihm ist anzumerken, wie sehr er unter Zeitdruck steht. Durch ihn wird der Captain wach.
„Was haben sie bloß angestellt, Chief? Gebrochener Arm, verschiedene Folgeschäden aufgrund von Erfrierung … Und das auf einem supermodernen Kriegsschiff der FSA. Aber sie haben überlebt. Schlechte Nachrichten, mein Freund: Die Schäden reichen nicht für eine Frührente …“ Mit diesen Worten nickt der Doktor einmal kurz zum Captain und verlässt dann die Krankenstation.
Jaques weiß nicht, wie er mit dieser Information umgehen soll. Und während er noch grübelt, richtet sich der Captain kurz auf, zieht seine Uniform glatt und salutiert kurz vor dem Chief. „Chief, es ist mir eine Ehre. Was sie geschafft haben, ist unglaublich. Ich wollte mich bei Ihnen noch persönlich bedanken – auch im Namen der Crew. Ohne sie wär‘ es Sgt. Mouton nicht gelungen, das primäre Kühlsystem zu stabilisieren. Sie sind ein Held. Ohne sie wär unser Schiff möglicherweise zerstört worden.“
Jaques versucht zu sprechen. Jetzt erst realisiert er, dass ihm ein Ernährungs- und ein Beatmungsschlauch im Hals stecken. ‚Wovon, zur Hölle sprechen die?‘
„Sie sind immer noch an Bord der „84c“. Und es würde mich freuen, dass sie an Bord meines Schiffs bleiben, wenn sie sich erholt haben. Der Admiralität habe ich empfohlen, sie und Sgt. Mouton für den Weißen FSA Zwerg vorzuschlagen. Nun aber … Gute Besserung.“ Damit salutiert der Captain und verlässt die Krankenstation.
‚Bitte, lass‘ das einen Traum sein …‘ Damit schließt Jaques seine Augen und fällt in einen tiefen, traumlosen Schlummer – begleitet vom rhythmischen und gleichförmigen Piepen der medizinischen Geräte.

Auch von Clem Carlos Schermann

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