Bolder too bold

von Largo

Bolder war außer Atem. Er beugte sich vorn über, stützte seine Hände auf die Oberschenkel und rang röchelnd nach Luft. Er wagte es nicht, die Augen zu schließen, denn er wusste, dass sie noch immer hinter ihm her waren.

Als er sich ein wenig erholt hatte, kontrollierte er die Energie seiner „Miranda“, die ihm schon so manches Mal das Leben rettete. Das erklärt auch, warum er sie liebevoll „Mira“ nannte und ins Schwärmen geriet, wenn man ihn nach dem Grund fragte. Eigentlich war Miranda schon ein veraltetes Modell einer Energie-Projektil-Waffe*, aber sie versah nach wie vor einen guten Dienst.

Bolder richtete sich auf und presste sich an die Wand, hinter der er Schutz suchte. Dann verschaffte er sich einen Überblick. In dieser Stadt war er bisher nie gewesen und wenn es nach ihm ginge, wäre er auch nie hier hergekommen, aber wie so oft in seinem Leben ging es nicht nach ihm.

Er spähte vorsichtig um die Ecke, um nach seinen Verfolgern Ausschau zu halten, doch sie schienen ihm nicht mehr dicht auf den Fersen zu sein. Dennoch beeilte er sich, seinen weiteren Weg zu planen.

Er entdeckte eine halboffene Tür in einem Haus etwa vierzig Meter nach Süden. Diese zu erreichen würde bedeuten, einige Meter ungedeckt zu laufen. Noch einmal spähte er um die Ecke und als er niemanden entdecken konnte rannte er los, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her. Eigentlich hatte er ohnehin das Gefühl, der wäre ihm auf der Spur, denn seine Verfolger waren so unbeschreibliche Wesen, wie er sie nie zuvor gesehen hatte.

Eigentlich wollte er nur ein Päckchen ausliefern und mit dem Kurierjob seine dunkle Vergangenheit an den Nagel hängen. Nur ein Päckchen, nicht besonders schwer, nicht besonders groß, ja nicht einmal besonders hübsch eingepackt. Er stieg mit diesem Päckchen also in seinen „Juggler“, einem Wrack von einem Kurierschiff, und startete in gewohnter Weise die Systeme. Alles in allem kein ungewöhnlicher Tag bis dahin.

Bolder erreichte die Tür, unversehrt, und stieß sie weiter auf, bevor er hindurchschlüpfte und sie hinter sich wieder schloss. man musste es den Biestern ja nicht zu einfach machen.

Der Raum hatte keine Fenster und er musste sich vorantasten. Der Raum war schmal und lang und an den Wänden standen einige Möbel, es schien also ein Flur zu sein. Kaum hatte Bolder das analysiert, stieß er auch schon an die Tür an der Front. Leise und behutsam öffnete er sie und war erleichtert, dass es im folgenden Raum wenigstens Fenster gab, die das Sonnenlicht zu ihm ließen.

Sonnen mochte Bolder am liebsten, insbesondere, wenn er an ihnen vorbeifliegen konnte. So alt sein „Juggler“, übrigens noch die A-Serie?, auch war, er verfügte über ausgezeichnete Blendschutzscheiben an der Front, durch die man Sonneneruptionen ganz in Ruhe beobachten konnte.

Als er gerade einen Blick auf „Huatzeco“ warf, einem gelben Stern mit zwölf Planeten im Orbit, meldete sein Warnsystem ein unbekanntes Schiff. Und es war nicht nur unbekannt, es war auch höllisch schnell und flog direkt auf ihn zu. Noch ehe er es sich versah, bekam er auch schon den ersten Schuss vor den Bug.

Wie in Trance riss er das Steuer herum und suchte fieberhaft nach einem bewohnbaren Planeten, den er recht schnell fand. Er flog Haken, drehte Pirouetten und steckte den einen oder anderen Streifschuss ein, aber irgendwie schaffte er es, in die Atmosphäre des Planeten einzudringen und in Bodennähe zu kommen.

Bolder schüttelte die Erinnerungen an den letzten Flug ab und begann sich wieder auf seine Situation zu konzentrieren. Er duckte sich und schlich in den hell erleuchteten Raum hinein. Wie alle anderen Häusern war auch dieses unbewohnt und entsprechend zugerichtet.

Er konnte zwei Fenster an der Stirnseite entdecken und bewegte sich auf das rechte zu, um einen Blick hinauszuwerfen, denn die Sonne blendete seine Augen.

Mit einem eleganten Dreh um die X-Achse? verhinderte Bolder einen Volltreffer an seinem „Juggler“, übersah aber den Turm, der einer kleinen Stadt vorgelagert war. Nun rotierte sein Kurierschiff ungewollt nachdem es eine Triebwerksgondel verloren hatte und raste auf den Boden zu, der im übrigen mit Häusern übersäht war.

Bolder wollte gerade seinen Gurt lösen, um sich in die Rettungskapsel zu schleppen, als der erste Kontakt mit der sandigen Erde stattfand. Wie das Projektil eines schlecht justierten Vorderladers durchpflügte der Bug den Boden und sorgte dafür, dass das Frachtgut aus dem Heck gegen die Cockpittür katapultiert wurde.

Mit einem Ruck streifte das Schiff ein Gebäude und wurde gedreht bevor es mit dem Heck in ein anderes Haus rammte und schließlich in einer Wolke aus Sand und Bruchteilen zum Stehen kam.

Bolder war noch angeschnallt und trug deshalb nur wenige leichte Verletzungen davon, er war sogar geistesgegenwärtig genug, jetzt seinen Gurt zu lösen und sich mit „Mira“ und einem verbandskasten aus dem Wrack zu retten, bevor er sich das Elend anschaute.

Er hatte nicht viel Zeit um seinen „Juggler“ zu trauern, denn das fremde Schiff fegte über seinem Kopf hinweg und ließ dabei etwas fallen, dass aussah, wie die Infanterieabwurfkapseln der Raumflotte.

Bolder schaltete schnell und nahm die Beine in die Hand, als einige Meter vor ihm so ein Ding einschlug und sofort eine Luke geöffnet wurde. Das, was er da sah verschlug ihm die Sprache und beinahe automatisch und angewidert zog er „Mira“ und verfeuerte mehrere Salven auf das Ding. Dann begann die Flucht.

Inzwischen war Bolder am Fenster angelangt und hob langsam seinen Kopf, um über die Fensterbank schauen zu können. Als sich seine Augen an das Licht gewöhnt hatten konnte er gerade noch einige gewaltige Körper sehen, die von so unbeschreiblicher Grausamkeit waren, bevor er für den Bruchteil einer Sekunde einen stechenden Schmerz auf der Stirn spürte und sich dann Nacht um seine Sinne erhob.

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* Energie-Projektil-Pistole ist ein Begriff der bereits andeutet, das diese Geschichte nicht explizit für RiftRoamers geschrieben wurde. Es gibt zwei Interpretationen für die Bezeichnung.

1). Eine Projektilwaffe deren Projektile mittels elektrischer Energie beschleunigt werden, was effektiv eine Gausswaffe wäre.

 2). Eine Waffe die sowohl eine konventionelle Waffe und zusätzlich eine Energiewaffe in einer Funktionseinheit vereinigt. Eine konventionelle Waffe verschießt chemisch beschleunigte Projektile mittels piezzo-elektrisch gezündete hülsenloser Munition. Da der Begriff Energiewaffe in RiftRoamers extrem dehnbar ist, gibt es hier etliche mögliche Varianten: Gravitationsimpuls-, EMP-, Laser-, Partikel- oder SonicStun-Waffen gelten als Energiewaffen und sind durch einen fehlenden Rückschlag charakterisiert.

Typisch sind Kombinationen aus konventionellen Projektilwaffen mit leichten Energiewaffen, also Laser oder SonicStun-Waffen.

(Eingereicht von „Largo“)

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